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Eröffnungsrede beim Karrieretag Familienunternehmen
Foto: KT-Familienunternehmen
Karrieretag Familienunternehmen feiert Jubiläum

Wertvolle Begegnungen

Elke Neuhard
Es hat gute Tradition: Was Familienunternehmen zu bieten haben, zeigen sie auf dem "Karrieretag Familienunternehmen". Hier treffen sie auf junge Menschen, die sich ihnen als Fach- und Nachwuchsführungskräfte empfehlen. Dieser Karriere-Event feierte jetzt zehnjähriges Bestehen.
Wo es 2006 als Recruiting-Initiative mit dem "1. Karrieretag" seinen Anfang nahm – bei der Goldbeck GmbH -, wurde jetzt Jubiläum gefeiert. 650 handverlesene Absolventen und Young Professionales gaben sich im schicken Businessoutfit mit den 50 ausstellenden Unternehmen ein "Stelldichein": Auf Laufplänen fanden sich für jeden eine Handvoll Gesprächstermine mit Personalverantwortlichen. Die jungen Leute hatten sich vorab beworben, um sich gezielt für eine Position in einem Familienunternehmen vorzustellen.

In seiner Eröffnungsrede im Showroom des inhabergeführten Bauunternehmens unterstrich Jan-Hendrik Goldbeck, geschäftsführender Gesellschafter der Goldbeck GmbH, das Ziel der Veranstaltung: An diesem Tag sollen die Teilnehmer erfahren, was Familienunternehmen zu bieten haben, und die Personalverantwortlichen können potenzielle Nachwuchskräfte im direkten Gespräch erleben.

Das Format bietet für beide Seiten die große Chance herauszufinden, ob man zusammen passt. "Wir haben erreicht, dass Familienunternehmen als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen werden", so sein Resümee über das Karrieretag-Format.

Auf der Suche nach einer guten Arbeitsatmosphäre

Foto: KT-Familienunternehmen
Stefan Heidbreder von der Stiftung Familienunternehmen, die seit Beginn als Mitorganisator des Karrieretags fungiert, stellte die Studie "Familienunternehmen als Arbeitgeber" der TU München vor. Sie wurde im Auftrag der Stiftung erstellt und gehört mit rund 5.000 Befragten zu den umfangreichsten Studien im deutschsprachigen Raum.

Wichtig sind den jungen Fach- und Führungskräften demnach eine "gute Arbeitsatmosphäre und Teamgeist", "Karriereperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten" sowie eine "attraktive Vergütung". Bei diesen Kriterien schneiden Familienunternehmen im direkten Vergleich mit Nicht-Familienunternehmen fast immer besser ab und bieten damit optimale Rahmenbedingungen für eine attraktive Karriere.

Damit aber auch die Top-Talente Familienunternehmen als First Choice wahrnehmen könnten, müssten sie "aus dem Schatten der großen Firmennamen heraustreten", forderte Jan-Hendrik Goldbeck seine Unternehmenskollegen auf. Da sei es gut, dass in vielen Unternehmen eine Zeitenwende durch den Generationswechsel stattgefunden habe. Die Söhne und Töchter der Gründer zeigten selbstbewusst die eigenen Stärken auf: Global aufgestellt und mit Nachhaltigkeit als Wert böten sie ein Arbeitsleben mit attraktiven Qualifizierungsperspektiven.
Foto: KT-Familienunternehmen
Dass die Familienunternehmen der eigentliche Jobmotor in Deutschland sind, verdeutlichte Stefan Klemm vom Entrepreneurs Club, der vor zehn Jahren zusammen mit der Familie Goldbeck und der Stiftung Familienunternehmen den "Karrieretag Familienunternehmen" ins Leben gerufen hatte: "Von den 3,5 Millionen deutschen Unternehmen sind 90 Prozent in Familienbesitz und die Inlandsbeschäftigung der umsatzstärksten 500 Familienunternehmen stieg 2006 bis 2012 von 2,97 Millionen Beschäftigten auf 3,29 Millionen." Dies entspreche einem Zuwachs von 11 Prozent. Dagegen hätten in der gleichen Zeit die "DAX-27-Unternehmen" (DAX-30-Unternehmen ohne drei DAX-Familienunternehmen) die Inlandsbeschäftigung um 7,3 Prozent von 1,5 auf 1,39 Millionen reduziert.

Bewerber aus dem In- und Ausland

Den Trend zum Stellenaufbau bestätigte auch Gesellschafter Jan-Hendrik Goldbeck, der darauf hinwies, dass im kommenden Jahr angesichts von Expansion und Exportorientierung mehrere Hundert Einstellungen geplant seien. Dabei sei es von Vorteil, dass mittlerweile rund 10 Prozent der Bewerber aus dem Ausland kommen. Diese könnten dabei helfen, den internationalen Markt aufzuschließen – so sei auch China äußerst interessant.

Für die erfolgreiche Stellenbesetzung sei entscheidend, "dass viele Rekrutierungswege bespielt werden": Als Vertreter der "neuen Generation" nannte Jan-Hendrik Goldbeck in dem Zusammenhang eine Goldbeck-Facebook-Präsenz genauso selbstverständlich wie Aktionen zum Girls Day und intensives Hochschulmarketing. Der Königsweg aber bleibe die interne Mitarbeiter-Entwicklung, erklärte der Firmenchef. Allein der "Goldbeck Campus" biete hierzu rund 300 Entwicklungsprogramme speziell für Fach- und Führungskräfte an.

Um gute Mitarbeiter zu halten, dazu brauche es laut Goldbeck kein Modewort wie die "Work-Life-Balance". Das bekräftigt auch die Arbeitgeberstudie, die den Nachwuchskräften von heute Leistungsbereitschaft und Wissendurst attestiert. Ein Angebot zur Weiterbildung zähle daher zu den wichtigsten Faktoren der Familienunternehmen. "Das ist ein wichtiger Baustein zum Unternehmenserfolg", erklärte Stefan Klemm.


Gut zu wissen:

Beim "Karrieretag Familienunternehmen" haben sich seit den Anfängen 30.000 Menschen beworben, 8.500 Nachwuchskräfte wurden eingeladen und 1.500 Bewerber haben einen neuen Job in einem Familienunternehmen gefunden.

Hilti auf dem Karrieretag Familienunternehmen 2016        KT2016_Jungheinrich

Diese Fair Company-Unternehmen waren auf dem 18.Karrieretag Familienunternehmen vertreten:

• Bahlsen GmbH & Co. KG 
• Franz Haniel & Cie. GmbH 
• Harting KGaA 
• Hella KGaA & Co. 
• Hilti Deutschland AG 
• Isabellenhütte Heusler GmbH & Co. KG 
      • Jungheinrich AG 
• Miele & Cie. KG 
• Schüco International KG 
• Weidmüller Interface GmbH & Co. KG 
• Windmöller & Hölscher KG 
• WOLFF & MÜLLER Holding GmbH & Co. KG
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2016

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