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Unternehmenspleiten
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Wer einmal scheitert, dem vertraut man nicht

Teil 2: Wo unternehmerische Fehlschläge toleriert werden

Einem Unternehmer wird allerdings nur verziehen, was er nicht selbst beeinflussen konnte. Wer krank wird und schließen muss, wem die wirtschaftliche Lage, steigende Herstellungskosten oder ähnliche externe Effekte das Geschäft vermasseln, der hat eine zweite Chance verdient.

Wer selbst schuld ist, hingegen nicht. So bezeichneten die Befragten unter anderem eine fehlende Unternehmensvision, Probleme bei der Kundenakquise, das Finden von neuen Mitarbeitern oder das Fehlen eines funktionierenden Geschäftskonzeptes als nicht akzeptabel. Wer sich nur einmal ausprobieren wollte und damit auf die Nase fällt, ist stigmatisiert.

Vorbehalte bleiben

Aber auch demjenigen, dem das Scheitern verziehen wird, wird in gewisser Hinsicht das Vertrauen entzogen: Zwar haben die gescheiterten Unternehmer aus der Sicht der Deutschen eine zweite Chance verdient. Diese soll den Unternehmern aber lieber von anderen eingeräumt werden: Über 40 Prozent der Deutschen geben zu, dass sie beim Bestellen von Waren Vorbehalte gegenüber einem bereits gescheiterten Unternehmer hätten.

Ebenfalls knapp 40 Prozent sind sich nicht sicher, ob sie Geld in ein Unternehmen investieren würden, dessen Gründer in der Vergangenheit schon einmal gescheitert ist. "Die Deutschen müssen hier endlich den Worten Taten folgen lassen und das gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtige Engagement auch von gescheiterten Unternehmern anerkennen", sagt Kuckertz.

Männer toleranter als Frauen

Am besten gelingt das bislang jungen Männern. Denn Männer sind unternehmerischen Fehlschlägen gegenüber offener als Frauen. Auch akzeptieren Jüngere Pleiten eher als Ältere. "Dies könnte ein Indiz für einen möglichen Kulturwandel sein", heißt es in der Studie.

Die Toleranz in Deutschland ist außerdem regional sehr unterschiedlich verteilt: Wer sein Unternehmen in den Sand setzt, sollte das lieber in Bremen tun, als in Mecklenburg-Vorpommern. Im Stadtstaat liegt die Akzeptanz für unternehmerisches Scheitern jedenfalls 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern sind es dagegen 4,8 Prozent unter Durchschnitt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2015
 

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