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Unternehmenspleiten
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Wer einmal scheitert, dem vertraut man nicht

Kerstin Dämon, wiwo.de
Scheitern ist in Deutschland immer noch ein Makel. Zwar sagen die Deutschen, dass man gescheiterten Gründern eine zweite Chance geben sollte – nur investieren oder kaufen würden sie "bei so einem" nicht.
"Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt", sagt der Volksmund. Laut der Studie "Gute Fehler, schlechte Fehler – Wie tolerant ist Deutschland im Umgang mit gescheiterten Unternehmen?" von Andreas Kuckertz, Christoph Mandl und Martin P. Allmendinger von der Universität Hohenheim ist das der Grund, warum sich die Deutschen nicht trauen, Unternehmen zu gründen.

Mehr als 40 Prozent der 2027 Befragten gaben nämlich an, der Aussage "Man sollte kein Unternehmen gründen, wenn das Risiko des Scheiterns besteht" mehr oder weniger zuzustimmen. Nur gehört die Möglichkeit des Scheiterns nunmal zum Unternehmertum dazu wie das Gegentor zum Fußball: "Keiner mag es, keiner will es, aber wenn man daraus lernt, dann bringt es einen langfristig weiter auf dem Weg zum besseren Saisonziel", sagt Tobias Kollmann, Universitätsprofessor und Vorsitzender des BMWi-Beirates "Junge Digitale Wirtschaft".

Scheitern als Zeichen unternehmerischen Muts

Der Unternehmer Wolfgang Grupp ist da ganz anderer Meinung. "Im Düsseldorfer Landtag gab es unlängst einen Streit, ob Scheitern zum Unternehmertum gehört. Es ging darum, ob Scheitern ein Zeichen unternehmerischen Muts ist, der eben seinen Preis hat", schrieb er im März in seiner Kolumne "100 Prozent Grupp" auf wiwo.de. Die Schäden von Insolvenzen sollten nicht unterschätzt werden, so sein Fazit. Seiner Meinung nach sollte Scheitern nicht beklatscht werden, wie es beispielsweise bei den Düsseldorfer Fuck Up-Nights der Fall sei.

Die Gesamtbevölkerung steht Misserfolgen dagegen toleranter gegenüber. Knapp 80 Prozent der Befragten halten Misserfolge für eine potenzielle Quelle zur Selbstreflexion. Aus Fehlern lernt man.
 

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