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Wenn sich Chefs selbst überschätzen
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Wunsch und Wirklichkeit

Wenn sich Chefs selbst überschätzen

Kerstin Dämon, wiwo.de
Erfahren, erfolgreich – und immer so bescheiden: 80 Prozent der Seniormanager sind sehr mit sich zufrieden. Fragt man Berufseinsteiger, was sie von ihrem Chef halten, zeigt sich ein ganz anderes Bild.
Eigen- und Fremdwahrnehmung sind immer so eine Sache, das geht schon bei der Optik los. Doch auch beim Verhalten scheinen wir manche Sachen ganz anders zu interpretieren, als unser Umfeld. Offenbar geht es zumindest Führungskräften so. So hatte erst vor Kurzem eine TNS Infratest-Umfrage gezeigt, dass Führungskräfte sich für sehr flexibel halten, während ihre Angestellten sagten: Bevor der was ändert oder sich anpasst, friert die Hölle ein. Jetzt hat auch die Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF) herausgefunden, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen dem, was erfahrene Manager von sich und ihrem Führungsstil halten und dem, wie ihr Team das bewertet.

Schlechtes Zeugnis der Mitarbeiter

Die IZF wollte eigentlich wissen, was Führung zukunftsfähig macht und hat das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt in den Führungsetagen deutscher Unternehmen nachzufragen: Was muss ein guter Chef draufhaben, wie sollte eine gute Chefin sein? Die Antworten auf diese Fragen fielen wenig überraschend aus: Kritikfähig muss der perfekte Chef sein, Aufgaben und Verantwortungen delegieren, Entscheidungen treffen und auch zu ihnen stehen. Die perfekte Führungskraft sollte ihren Mitarbeitern konstruktives Feedback geben, die Leistungen anerkennen, teamfähig sein.
 
Wunsch und Wirklichkeit klaffen – ebenfalls nicht sonderlich überraschend – häufig auseinander: So sagen 62 Prozent der Berufsanfänger, dass sie ihrem Chef mit allem kommen könnten, nur nicht mit Kritik und auch von Förderung haben viele Vorgesetzte offenbar noch nichts gehört. Nur gut jede dritte Nachwuchskraft fühlt sich von ihrem Vorgesetzten in der Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale begleitet und unterstützt. Von flexiblen Arbeitszeiten, Work-Life-Balance und anderen neumodischen Spielereien ganz zu schweigen. Jede fünfte Nachwuchskraft hält das Führungsverhalten des eigenen Vorgesetzten für nicht zukunftsfähig. Ein rundum schlechtes Zeugnis also, was die jungen Mitarbeiter ihren Vorgesetzten ausstellen.
 

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