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Eine neue Studie warnt vor zu viel Hingabe im Unternehmen.
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Unternehmensidentifikation

Wenn Engagement zur Gefahr wird

Kristin Schmidt, wiwo.de
Je stärker Angestellte sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, desto besser? Von wegen: Eine neue Studie warnt vor zu viel Hingabe.
Das Entsetzen in Chefetagen und Personalabteilungen muss groß gewesen sein, als der aktuelle Engagement Index des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup erschien. Nur 16 Prozent der Deutschen identifizieren sich stark mit ihrem Arbeitgeber.

Doch während Unternehmen aufgebracht nach den Gründen für so viel Gleichgültigkeit suchen und Strategien entwickeln, die Mitarbeiter emotional enger an sich zu binden, können vier Forscherinnen der Colorado-State-Universität diesem Ergebnis durchaus Positives abgewinnen. Denn sie kommen in einer kürzlich veröffentlichten Studie zu einem ganz anderen Ergebnis: Hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber kann durchaus negative Folgen haben.

Frühere Ansichten scheinen überholt

Das widerspricht allem, was Ökonomen, Betriebswirte und Psychologen in den vergangenen 25 Jahren herausgefunden haben. "Typischerweise gehen Untersuchungen davon aus, dass Identifikation gut ist", schreibt Assistenzprofessorin Samantha Conroy, "sowohl für das Individuum als auch die Organisation."

Dieser Glaube hat sichtbare Folgen. Arbeitgeber etwa brüsten sich auf ihren Internetseiten mit der engen Beziehung zu ihren Mitarbeitern.

Unternehmensberater trichtern ihren Kunden ein, dass Identifikation gleichbedeutend mit mehr Leistung und geringerer Fluktuation ist. Eine Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management hat kürzlich sogar herausgefunden, dass Ärger im Job bei Mitarbeitern nicht zu Resignation führt, sondern diese zusätzlich anspornt – vorausgesetzt, sie identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber.
 

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