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Persönlichkeitstests zur Bewerbersuche
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Bewerbersuche

Was Persönlichkeitstests bringen

Teil 3: Gefälligkeitsantworten müssen kein Ausschlusskriterium sein

Natürlich sage man dem Kandidaten dann nicht auf den Kopf zu, dass er beim Lügen ertappt worden ist. "Da heißt es dann eher: Da scheinen Sie keinen guten Tag gehabt zu haben, aber Sie können den Test nochmal wiederholen."

Hinzu kommt, dass die Tests in regelmäßigen Abständen überprüft und gegebenenfalls verändert werden. "Spätestens alle acht Jahre muss ein Test überprüft werden, um seine präzise Funktionsweise zu sichern", bestätigt Deller. Sich einmal ein Testknacker-Buch zu kaufen, hilft also nicht ewig. Und sobald auffällt, dass besonders viele Kandidaten die gleichen Antworten geben, wird der Test ohnehin verändert. Allerdings zeige die Statistik, dass die Versuche, Persönlichkeitstest zu manipulieren, im unteren Prozentbereich liegen, so Neubauer.

Wen sucht man eigentlich?

Gerade was den Fall der Gefälligkeitsantworten angehe, sieht er keine Probleme. "Bei einem Autohändler würde man in diesem Fall von einem großen Verkaufstalent sprechen", sagt er. Insofern komme es darauf an, wen man sucht. Wer einen Verkäufer sucht, sollte sich also überlegen, ob er einen Bewerber ablehnt, der sich gut auf sein Gegenüber einstellen kann und zu erahnen versucht, was dieser von ihm hören will. Und auch Deller sagt, dass sich Bewerber im Vorstellungsgespräch ohnehin besser darstellen, als sie sind. Irgendwie wird das ja schließlich auch gefordert. Insofern habe ein solches Verhalten keine großen Auswirkungen.

Und selbst wenn jemand auf die Frage nach den eigenen Schwäche mit "ich arbeite immer zu viel und bin ein Perfektionist" antwortet, hat sich damit noch nicht disqualifiziert, sondern höchstens den Personaler belustigt. Denn: "Eine Frage allein sagt noch gar nichts aus", wie Neubauer weiß.

Darüber hinaus sollten sich Personaler nicht alleine auf die Tests verlassen, so Deller. "Es gibt Interviews, Tests, den Lebenslauf und das Assessment-Center. Und Personalauswahl sollte sich nie nur auf ein Instrument stützen."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 09.08.2015
 

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