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Schlechte Noten für die Technik
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Arbeiten 4.0

War da nicht was?

Kerstin Dämon, wiwo.de
Im Arbeitsministerium und auf Personalmessen geht es 2016 um die Arbeitswelt der Zukunft. Fragt man die arbeitende Bevölkerung, ist die jedoch kein Thema. Die Mehrheit arbeitet nämlich noch mit steinzeitlichen Methoden.
Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?, fragt sich das Bundesarbeitsministerium. Und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) versucht, in ihrem Weißbuch die drängendsten Fragen zu beantworten. Was passiert, wenn künftig nur noch Roboter für uns arbeiten? Wie flexibel müssen Angestellte und Unternehmen sein? Management-Symposien und -Experten versuchen dagegen Antworten auf die Frage zu finden, wie flach die Hierarchie denn sein muss, die alle glücklich macht.

Und die Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften unken: Haben wir die Digitalisierung im Griff? Sind wir gewappnet für eine Ära, in der Informationstechnik zum dominanten Produktionsfaktor aufsteigt? Was wird aus stolzen Industriebetrieben, wenn smarte Start-ups ganze Branchen auf den Kopf stellen? Und was wird aus Mitarbeitern, deren Berufsbilder vom technischen Fortschritt zerlegt werden?

Beschäftigte sind unzufrieden mit Führungsstil des Chefs

"Wir erleben in Deutschland eine große Verunsicherung", sagt Kai Bender, Partner und Leiter der deutschen Digital Practice bei der Managementberatung Oliver Wyman, die kürzlich die Querschnittstudie "Digitales Deutschland" vorgestellt hat. Diese Verunsicherung scheint jedoch nicht groß genug zu sein, um etwas am Führungsstil zu verändern. Zumindest zeigt eine repräsentative Umfrage unter mehr als 1.800 deutschen Arbeitnehmern des Karrierenetzwerkes Xing, dass zwischen Mitarbeiterwunsch und Arbeitswirklichkeit noch große Lücken klaffen.

So wünscht sich rund jeder zweite Beschäftigte (49,1 Prozent) zu aller erst Wertschätzung vom Chef. 39 Prozent wollen, dass ihr Vorgesetzter nicht nur fachlich gut ist, sondern auch tatsächlich Führungskompetenz besitzt und 30 Prozent hätten gerne einen Vorgesetzten, der sie motivieren kann und nicht nur Befehle brüllt. Alles sehr 2016 eben.

In kleinen Unternehmen klappt das auch ganz gut. Aber in den großen Konzernen, die vermeintlich innovativ und modern sind, hapert es damit. Bei Konzernen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern vergibt nicht einmal mehr jeder fünfte Befragte (18,3 Prozent) die Bestnote für Wertschätzung an den jeweiligen Boss.

Spannend: Weibliche Vorgesetzte lassen ihren Mitarbeitern laut den Umfrageergebnissen eine höhere Wertschätzung zu Teil werden. 25,6 Prozent der weiblichen Chefs erhalten die Bestnote in dieser Kategorie, während nur 22,6 Prozent der männlichen Chefs diese erreichen.
 

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