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Kaum Weiterbildung im digitalen Bereich
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Digitales Know-how

Unternehmen setzen auf Neueinstellungen statt Weiterbildung

Teil 2: Auch das Top-Management ist nicht digital fit

Auch für sich selbst legen die von Rochus Mummert Befragten offenbar keinen gesteigerten Wert auf digitale Weiterbildung. Sowohl im Top-Management als auch in der zweiten und dritten Führungsebene halten sich nur 47 Prozent für digital fit. Allerdings tun nur rund 50 Prozent der Manager auch etwas gegen ihre Wissenslücken.

"Die geringe Bereitschaft, sich on- oder off-the-Job mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, wird oft damit entschuldigt, dass der operative Alltag einem zu wenig zeitliche Spielräume lasse", sagt Carlo Mackrodt, Partner im Münchener Büro von Rochus Mummert. "Dabei müsste das Thema doch längst fester Bestandteil des Berufslebens einer Führungskraft sein. Denn nur wer ständig über Neuerungen in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 auf dem Laufenden bleibt, kann auf die disruptiven Veränderungen der Märkte reagieren, sie nutzen oder sogar vorantreiben." 

Führungskräfte überschätzen ihre digitalen Kompetenzen

Tatsächlich investiert etwa jede zweite Spitzenkraft nur bis zu zwei Stunden pro Woche im Büro, nach Feierabend oder am Wochenende, um das eigene Digital-Wissen sowie das des Unternehmens auszubauen. 22 Prozent der Manager nehmen sich sogar weniger als eine Stunde wöchentlich dafür Zeit. Nur 15 Prozent der Manager pflegen das Thema mindestens fünf Stunden wöchentlich. Unter den befragten Vorständen und Geschäftsführern ist die Lernbereitschaft vergleichsweise höher: Der Studie zufolge investieren fünf Prozent von ihnen mehr als einen Tag pro Woche in das Thema Digitalisierung, 17 Prozent mindestens fünf Stunden und 40 Prozent zwei bis fünf Stunden.

Doch wer sich mit anderen austauscht, spricht in der Regel nur mit dem Kollegen eine Tür weiter – insofern der auf der gleichen Hierarchiebene angesiedelt ist, wie Mackrodt beobachtet hat. Den Kontakt zu Geschäftspartnern, Wissenschaftlern oder Verbänden sucht nur jeder Dritte, der sich über digitale Herausforderungen, neue Geschäftsfelder und digitale Arbeitsplätze informieren will. Der Berater sieht darin einen der möglichen Gründe für die Selbstüberschätzung der Befragten: Zwei von dreien bezeichnen sich nämlich als Digital Leader und halten sich für überdurchschnittlich gut aufgestellt. "Die digitale Reise eines Unternehmens ist immer ein Führungsthema", so der Digitalisierungsexperte. "Dennoch tut das Top Management insgesamt zu wenig. Seine Bereitschaft, sich auch außerhalb des Geschäftsalltags mit der digitalen Transformation zu beschäftigen, sollte daher dringend steigen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2017
 

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