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Veränderungen im Unternehmen lassen die Mitarbeiter abwandern.
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Arbeitskräfteabgang in Unternehmen

Umstrukturierungen frustrieren Mitarbeiter

Kerstin Dämon, wiwo.de
Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier: Verändert sich ein Unternehmen schnell und stark, streichen viele Mitarbeiter die Segel. Wie Sie trotz Veränderungsprozessen Ihre Mitarbeiter halten.
Viele Menschen tun sich mit Veränderungen schwer: "Es war doch gut so, wie es war" und "never change a running system" sind sowohl im Privaten wie auch im Beruf das Motto von vielen. Nur passt das nicht mehr in die heutige Zeit.

Laut dem Global Talent Monitor des Best Practices- und Technologieunternehmens CEB erwarten 24 Prozent der deutschen Arbeitnehmer in den nächsten sechs Monaten größere betriebliche Umstrukturierungen. Die Mehrheit musste sich schon in den vergangenen zwölf Monaten umstellen. Doch gerade, wenn Veränderung das eigene (Berufs-)Leben betrifft, hört für so manchen der Spaß auf.

"Mitarbeiter erkennen, dass es in jeder Arbeitsumgebung ständig Veränderung gibt, und wir können beobachten, dass sich ihre Reaktion darauf deutlich verändert", so André Fortange, Managing Director für Deutschland, Schweiz und Österreich bei CEB. Die Befragung, an der 20.000 Angestellte aus 40 Ländern teilnahmen, zeigt: Tempo und Ausmaß der Veränderungen wirken sich auf die Loyalität der Mitarbeiter aus. Besonders betriebliche Umstrukturierungen und Änderungen in der oberen Führungsebene frustrieren die Mitarbeiter. Das Ergebnis: Je mehr Wandel, desto höher die Fluktuation.

Problem des Fachkräftemangels wird verstärkt

Selbst vernünftig geplante Veränderungen stören den Arbeitsalltag der Mitarbeiter, so Fortange. Dass Betriebe ihre Mitarbeiter ständig darauf einschwören, offen für Neues zu sein, helfe da nicht, sondern erhöhe eher den Druck. In der Konsequenz suchen 15 Prozent der veränderungsmüden Arbeitnehmer nach neuen Jobs in anderen Unternehmen, so das Ergebnis des Talent Monitors. Dazu Fortange: "Sie glauben, dass ihnen bei einem Arbeitsplatzwechsel bessere Chancen für persönliches und professionelles Wachstum geboten werden als bei ihrem aktuellen Arbeitgeber." 

Das ist gleich aus zwei Gründen schlecht: Zum einen ist es nie gut, wenn Know-how das Unternehmen verlässt und erst teuer wieder eingekauft und angelernt werden muss. Zum anderen führt der Fachkräftemangel schon jetzt in vielen Firmen zu Einschränkungen bei der Produktivität und der Leistungsfähigkeit, wie Fortange sagt. Wenn in einem solchen Unternehmen auch noch die bestehenden Mitarbeiter weglaufen, vergrößert das das Problem.

Mit Weiterbildung und Arbeitsplatzrotation gegen Mitarbeiterabgang 

Um dem Arbeitskräfteabgang und einem zukünftigen Arbeitskräftemangel entgegen zu wirken, müssen Unternehmen realistische Veränderungserwartungen und professionelle Entwicklungsmöglichkeiten bieten, die beiden Seiten nützen – sowohl den Arbeitnehmern als auch den Unternehmen.

Dazu gehört auch Weiterbildung. Fortange: "Unternehmen müssen bei Aus- und Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter intelligenter vorgehen. Ob sie nun beschleunigte Ausbildungsmaßnahmen oder formalisierte Programme für die Arbeitsplatzrotation anbieten – sie sollten es Mitarbeitern ermöglichen, neue Fertigkeiten zu erlernen und dann auch anzuwenden. Sonst laufen Unternehmen Gefahr, die besten Mitarbeiter zu verlieren."

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2016
 

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