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Start-ups
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Start-up-Szene

Stimmung top, Politik Flop

Teil 2: Von bürokratischen Hürden und zu wenig Fördermitteln

Im Gegenteil: Manchmal versuchen die Entscheider eher, Bitterstoffe in das Elixier zu mischen. Diesen Eindruck jedenfalls dürften die Gründer in den vergangenen Monaten mehrfach gewonnen haben. Jedes zweite Start-up leidet nach eigenen Bekunden unter dem zu Jahresbeginn eingeführten Mindestlohn, vor allem weil dieser die Beschäftigung von Praktikanten erschwert. Denn heute sind nur noch Pflichtpraktika und Praktika mit einer Dauer von bis zu drei Monaten vom Mindestlohn ausgenommen – andernfalls werden 8,50 Euro pro Stunde fällig, die sich viele junge Firmen offenbar noch nicht leisten können.

Jede fünfte beschäftigt deswegen nach eigenen Worten inzwischen weniger Praktikanten oder gar keine mehr. Da hilft auch nicht der hinter vorgehaltener Hand geäußerte Vorschlag einer Politikerin, doch einfach die offizielle Stundenzahl in länger laufenden Praktikumsverträgen zu reduzieren, um den Mindestlohn leichter ertragen zu können. Am meisten beklagen die Gründer aber bürokratische Hemmnisse im Land, außerdem wünschen sie sich eine bessere Förderung und Hilfe bei der Suche nach Risikokapital. Das ist in Deutschland deutlich spärlicher vorhanden als in den USA, wo Geldgeber gemessen am Bruttoinlandsprodukt fast zehnmal so viel Kapital bereitstellen. Und es ist ein Thema, bei dem Gründer und Politiker im Moment häufig aneinandergeraten.

"Anti-Angel-Gesetz"

So wettern die Unternehmer seit Wochen gegen ein Vorhaben des Bundesfinanzministeriums, sogenannte Veräußerungsgewinne aus Streubesitz deutlich höher zu besteuern als bisher. Solche Gewinne fallen an, wenn Investoren Anteile von weniger als zehn Prozent an einem Unternehmen halten und diese dann verkaufen. Viele sogenannte Business Angels – Privatinvestoren oder kleine Kapitalgesellschaften – sind davon betroffen: Sie streuen ihr Kapital über eine Vielzahl von Start-ups, in der Hoffnung, dabei zumindest mit einigen in der Gewinnzone zu landen. Außerdem schichten sie ihr Kapital häufig um, wenn Unternehmen aufgeben, verkauft werden oder neue Finanzierungsrunden abschließen. Bei Start-ups kommt das oft vor. Bisher werden die Gewinne dann fast gar nicht besteuert, wenn die Anteilseigner sie gleich wieder ins nächste Unternehmen investieren. Ein sinnvoller Anreiz, der wegfallen würde, wenn die Steuerlast stiege. Das könnte die Business Angels zurückhaltender machen, obwohl deren Geld besonders gebraucht wird: Der aktuellen Studie zufolge sind sie nach Freunden und Familie die wichtigste Geldquelle für Start-ups, weswegen die Gründerszene das Gesetzesvorhaben "Anti-Angel-Gesetz" getauft hat.
 

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