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Beziehungskiste
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Vitamin B

Spannende Beziehungskisten

Stefani Hergert
Ohne Netzwerk finde man heute keinen Job mehr, heißt es immer wieder. Das Problem ist nur: So pauschal stimmt das nicht. Je begehrter Spezialisten sind, desto eher gelingt der Wechsel ohne Vitamin B. Nur in die Topetagen führt nach wie vor kaum ein Weg ohne eine gute Seilschaft.
Letztlich ist es Ansichtssache. Hat sie ihren Job dank eines Netzes von Freunden und Bekannten gefunden oder sich einfach nur auf eine Anzeige beworben? Katja Wenks Stelle als Referentin im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe war klassisch ausgeschrieben.

Gefunden hat sie die Anzeige aber nur, weil ein Bekannter sie über das Onlinenetzwerk Facebook aufmerksam machte. Sie hat sich dann ganz normal beworben, es gab keine Empfehlung, keinen dezenten Hinweis an die Personalabteilung, sich diese Kandidatin etwas genauer anzuschauen.

Punkten konnte die 31-Jährige, die in ihrem neuen Job eine Social-Media-Strategie erarbeiten soll, aber dennoch mit ihren Kontakten. "Im Vorstellungsgespräch habe ich erwähnt, dass ich die Stellenausschreibung in einer Facebook-Gruppe gesehen habe. Das war ein kleiner Aha-Moment, weil sie den Kanal bisher nicht aktiv genutzt haben", sagt sie.

Kontakte, Kontakte, Kontakte

Meinen Personalexperten das, wenn sie davon sprechen, Job und Aufstieg seien ohne ein gutes Netzwerk nicht mehr möglich? "Kontakte, Kontakte, Kontakte", predigen sie, egal ob es darum geht, als Spezialist das Unternehmen zu wechseln oder als Personalchef die besten Hochschulabsolventen zu finden.

Nur: Stimmt das Mantra?

"Man muss in diesem Punkt dramatisch differenzieren", sagt der Bamberger Professor für Informationssysteme Tim Weitzel. Es kommt darauf an, wie intensiv Unternehmen suchen und wie viele Jobangebote potenzielle Mitarbeiter bekommen.

Begehrte Profile

Die Faustregel: Je begehrter das Profil eines Kandidaten, desto eher klappt es auch ohne Beziehungen. Erst ab einer gewissen Hierarchiestufe gilt das Klischee von der Karriere als Beziehungskiste wieder: Die Topetagen bleiben ohne Helfer unerreichbar.

Nicht unbedingt, weil sie Türen öffnen, sondern vor allem, weil sie wissen, welche Türen nicht verschlossen sind.

 

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