Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
So stärken Chefs ihre Selbstwahrnehmung
Foto: Alta Oosthuizen / fotolia.com
Von Kritik und Selbstüberschätzung

So stärken Chefs ihre Selbstwahrnehmung

Lin Freitag, wiwo.de
Nur Wurstkönig oder Retter der Nation? Normaler Pendler oder Protz mit Dienst-Helikopter? Selbst- und Fremdbild klaffen häufig auseinander. Vor allem bei Chefs. Wie Sie sich realistisch einschätzen.
Manchmal ist die Welt ein ungerechter Ort. Clemens Tönnies hat es nicht nur durch das Schlachten und Zerlegen von Schweinen zum Milliardär gebracht, nein, zudem rettete er als Aufsichtsratschef auch noch Schalke 04 vor einer möglichen Pleite. Und doch – die Presse zeichnet von ihm immer nur ein Bild: Als bauernschlauen Metzger stellen sie ihn dar, der sich in allerfeinster Seifenopermanier mit seinem Neffen um die Macht im Metzgerreich streitet.

Schuld daran sind vor allem Begebenheiten wie diese: Tönnies präsentierte sich stets als das soziale Gewissen seiner Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück, sprach sich gar als einer der wenigen Unternehmer für den Mindestlohn aus – dumm nur, dass dann zwei Reporter der "Zeit" recherchierten, dass Tönnies via Subunternehmen selbst seine Fabrikarbeiter nicht gerade fürstlich behandelt.

Warum die Welt Tönnies nicht sieht, wie Tönnies sich gerne in der Welt inszeniert, liegt womöglich daran, dass Selbst- und Fremdbild auseinanderklaffen. Doch wie kann das sein? Schließlich kriegt der Manager doch regelmäßig in den Medien zu lesen, wie er nach außen wirkt. Vermutlich gründet des Metzgers Missverständnis auf einem altbekannten Phänomen, das der Schriftsteller Ödön von Horváth einst mit den Worten beschrieb: "Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu." Ein Dilemma, von dem gerade mächtige Männer betroffen sind.
 
Berufseinsteiger und Top-Manager schätzen sich falsch ein

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff etwa, der von "normalen Reisetätigkeiten" sprach, wenn er seine 80.000 Euro teuren Helikopterflüge auf Kosten eines Konzerns meinte, der kurz vor der Pleite stand. Oder auch Franz Beckenbauer, der kürzlich in einem Interview zur Vergabe-Affäre um die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu Protokoll gab, einfach blind "alles unterschrieben" zu haben, was ihm vorgelegt wurde.

Fair Company | Initiative