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Kündigungswelle
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Kündigungswelle

Schonend trennen – geht das überhaupt?

Teil 6: Richtige Entlassungskultur etablieren

Denn letztlich müsse sich jeder – vom Pförtner bis zum Manager – mit dem neuen Unternehmen identifizieren. "Es braucht immer eine neue, gemeinschaftliche Identität, keine Käseglocken-Identität", sagt Wirtgen. Sonst fühle sich immer einer als Gewinner und einer als Verlierer. "So kann man nicht zusammenarbeiten." Damit das funktioniert, müsse man jedem einzelnen Mitarbeiter immer wieder sagen, erklären, deutlich machen, warum etwas geschieht und welchen Beitrag er zu dem neuen Ganzen beitragen kann und soll.

Endstation Transfergesellschaft?

Und die, die gehen müssen, weil man sich für ihr Pendant aus dem anderen Unternehmen entschieden hat? Oder deren Abteilung ganz aufgelöst wird, weil sie nicht in die neue Struktur passt? "Je nachdem wie der Sozialplan verhandelt wird, landen viele zunächst einmal in einer Transfergesellschaft – was nicht wirklich besser ist für die Mitarbeiter", sagt Schauenburg. Ihrer Erfahrung nach passiere in solchen Gesellschaften nicht viel mit den Angestellten: Neben einem Profiling für die Arbeitsagenturen gebe es bestenfalls noch Qualifizierungsmaßnahmen und Bewerbungstrainings. "Meistens finden keine Maßnahmen statt, in diesem Fall sitzen die Menschen zuhause", erzählt sie. Nur die wenigsten finden über diese Auffanggesellschaften einen neuen Job.

Entlassungskultur aufbauen 

Sie ist überzeugt, dass es mehr bringt, die Gekündigten, die häufig regelrecht geschockt seien, wieder an ihre Kompetenzen und Stärken heranzuführen. Das kann auch derjenige tun, der die Kündigung ausspricht. Das Stichwort lautet Wertschätzung. "Auch wenn es keine Abfindungen oder keine Transfermaßnahmen gibt, kann man eine Trennungskultur etablieren. Das kostet kein Geld."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 28.11.2015
 

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