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Kündigungswelle
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Kündigungswelle

Schonend trennen – geht das überhaupt?

Teil 4: Viele Fusionen sind eher feindliche Übernahmen

Einen Spezialfall bilden Fusionen, wie sie derzeit unter anderem dem Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf, dem Bierbrauer SABMiller oder der Deutschen Wohnen ins Haus steht. Solche Fusionen gehen schon mit entsprechend negativen Beschreibungen einher. Von Übernahmeschlachten und Abwehrkampf ist da die Rede, die Deutsche Wohnen wehre sich beharrlich dagegen, von Vonovia geschluckt zu werden, man blase zum Angriff und so weiter.

Angst vor den Konsequenzen

Schon der Duktus macht klar: Hier geht es nicht um den Zusammenschluss zweier Gleichgesinnter, die sich gegenseitig stützen. Insofern blicken auch Mitarbeiter in der Regel eher mit Sorgen als mit Vorfreude auf ein solches Ereignis. Viele befürchten, dass die jeweilige Braut sich vor der Zwangshochzeit noch für die Investoren aufhübschen und erschlanken muss beziehungsweise dass spätestens nach der Eheschließung Pfunde – nämlich Mitarbeiter – purzeln müssen.

So heißt es auch bei der geplanten Megafusion in der Bierbranche: "Um die Wettbewerbshüter gnädig zu stimmen, wollen die Partner milliardenschwere Geschäfte in den USA abtreten." Experten schließen auch nicht aus, dass der fusionierte Konzern womöglich noch SABMillers 49-Prozent-Anteil an Chinas größtem Brauer CR Snow abstoßen muss, um auch dort grünes Licht für den Zusammenschluss zu bekommen. In China sollen einige der mehr als 40 Brauereien geschlossen und das seit längerem schleppende Russland-Geschäft umgebaut werden. Und Personalumbau sei immer irgendwo auch Personalabbau, wie Schauenburg weiß.

Auch nach der Fusion muss das Team funktionieren

Eine, die sich hauptberuflich mit Fusionen beschäftigt, ist Nurten Erdogan. Sie ist Head of Corporate Mergers and Acquisitions – kurz M&A – bei der Commerzbank. "Personalmanagement ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei M&A und zur Wertsteigerung eines Unternehmens", sagt sie. Denn ohne die Mannschaft geht es eben nicht. "Es gibt Fusionen, die sehen erst gut aus, nachher stimmen aber die Zahlen nicht, weil das Management die Mitarbeiter nicht motivieren konnte. Und die sind es doch, die fleißig sind und für Umsatz sorgen, bekräftigt Wirtschaftspsychologe Wirtgen.

Zunächst einmal gehe es aber auch beim weichen Faktor Personal erst einmal um Daten, Zahlen, Fakten, wie Erdogan sagt: "Man muss prüfen: Sind Ziele, die man sich vor der Akquisition setzt, mit der bestehenden Mannschaft umsetzbar?" Wichtig sei auch, wie die Alters- und Gehaltsstrukturen der Belegschaften aussehen und welche Sozialleistungen die Mitarbeiter der beiden Teams bekommen. Schließlich kann man den eingekauften Mitarbeitern nachher nicht die Bezüge kürzen, nur weil das eigene Team keine Sonderleistungen bekommt. Genauso wenig sinnvoll ist es, Kollege Meier an Tisch A beispielsweise eine betriebliche Altersvorsorge zu gewähren, weil er es von Hause so gewohnt ist und Kollege Müller an Tisch B bekommt nichts – alte Hauspolitik.
 

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