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Kündigungswelle
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Kündigungswelle

Schonend trennen – geht das überhaupt?

Teil 3: In schwierigen Zeiten trennt sich die Spreu vom Weizen

Wirtgen rät seinen Klienten, bei solchen Gesprächen immer faktenorientiert zu bleiben – wir müssen sparen – aber trotzdem Verständnis für die Situation und auch die Gefühle der Betroffenen zu haben. Beides sei sehr schwer. Vor allem dürfe man sich nicht dazu hinreißen lassen, etwas zu sagen wie "Wenn es nach mir ginge, würden wir Sie behalten" oder "ich hätte das nicht so entschieden" – denn schließlich vertritt die Führungskraft hier die Position des Unternehmens. "Man muss da ganz kopfig sein, aber das ist sehr schwer."

Der Grund: Es geht nicht nur darum, langjährigen Kollegen – vielleicht sogar Freunden – den Job wegzunehmen, die Führungskraft muss auch deren Reaktionen aushalten. Und die können in einer solchen Situation verständlicherweise emotional sein - für Angestellte gibt es schließlich keine Tipps, wie sie am besten mit einer solchen Botschaft umgehen sollen.

Weinen muss man aushalten können

Wirtgen sagt, es sei fast noch das Beste, wenn der Mitarbeiter seinen Chef beschimpfe, weil man dann stärker reagieren und sich abgrenzen könne. "Schwierig ist es, wenn jemand weint", sagt er. Entgegen dem natürlichen Impuls dürfe man weder beruhigen, noch das Gegenüber in den Arm nehmen oder Ähnliches. "Trösten ist in der Situation falsch", so Wirtgen. Sonst wecke man beim Betroffenen nur die Hoffnung, sich für ihn einzusetzen.

Auch diejenigen, die mit Gefühlsausbrüchen ihrer Angestellten nicht gut umgehen können, müssten die Situation aushalten und warten, bis derjenige aufgehört hat zu weinen.

Sich drücken gilt nicht

Schauenburg ist überzeugt: In solchen Fällen zeige sich, was eine Führungskraft taugt. Sie sagt: "Eine gute Führungskraft braucht man in unruhigen Zeiten, nicht wenn alles in Ordnung ist." Entsprechend sei es keine gute Idee, die Kündigungsgespräche auszulagern und Firmen zu beauftragen, diesen unangenehmen Job zu machen, so wie es George Clooney im Film "Up in the Air" in seiner Rolle als Ryan Bingham getan hat. Das sagt auch Wirtgen: "Das entscheidende Gespräch auszulagern ist ganz falsch, weil es dem Image schadet und sich schnell rumspricht." Und für einen Chef, der nicht die Traute hat, seinen Leuten persönlich zu kündigen, möchte niemand arbeiten.
 

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