Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Kündigungswelle
Foto: DOC RABE Media / fotolia.com
Kündigungswelle

Schonend trennen – geht das überhaupt?

Teil 2: Klare und nachvollziehbare Kommunikation

Schauenburg erzählt von einem Beispiel, bei dem ein Vorgesetzter vor sein Team trat und eine Karte mit dem Filialnetz zeigte. Die Filialen waren mit roten und grünen Punkten markiert. Ohne weitere Erklärung habe er den Mitarbeitern verkündet, dass es die Filialen, die mit einem roten Punkt markiert waren, ab sofort nicht mehr geben werde. Keine wirklich gute Vorgehensweise. aber so sollte man es nicht tun. Denn mit dem Jobverlust geht eine existenzielle Bedrohung einher. Für den Vorgesetzten ist die unangenehme Situation nach Verlassen des Raumes vorbei, die Mitarbeiter haben ein längerfristiges Problem.

Die Botschaft verpacken
 
Und: Anders als die, die entlassen werden, gibt es für die Führungskräfte Tipps, wie man richtig, also mitarbeiterschonend, kündigt. "Wer eine Entlassung verkündet, muss vermitteln, warum das notwendig ist: Geht es um die Zukunftsfähigkeit oder das Überleben des Unternehmens?", so Wirtgen. "Es muss ganz klar sein, warum man das tut. Und die Botschaft muss echt, authentisch und empathisch sein. Man kann nicht nur einen Chart aufhängen und sagen: Wir müssen sparen."

So hat es auch John Cryan bei der Deutschen Bank erklärt. Um die Deutsche Bank wieder auf Kurs zu bringen, müssen im Mutterkonzern 9.000 Menschen gehen. "Ich versichere ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden", hatte Cryan bei seinem ersten großen Auftritt angekündigt. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass nun Mitarbeiter entlassen werden, weil Cryans Vorgänger jahrelanges Missmanagement betrieben haben, wie auch Betriebsratschef Alfred Herling sagte. Aber: Der Ton macht die Musik – auch bei einer Kündigung.

Ziele benennen

Schauenburg: "Es muss nachvollziehbar werden, warum Mitarbeiter entlassen werden: Wenn der Prozess fair und nachvollziehbar ist und dies offen kommuniziert wird, ist es für alle leichter, damit umzugehen."

Ihrer Meinung nach brauche es immer eine klare Vision und ein Ziel: Wir wollen wachsen, wir wollen sparen, wir wollen grüner werden, wir müssen moderner werden. Sie sagt: "Wenn zwei Unternehmen fusionieren, ist jedem klar, dass es nicht zwei Marketing- und zwei Personalabteilungen braucht. Wenn die Führungskräfte den Grund der Fusion klar kommunizieren und der Auswahlprozess nachvollziehbar ist, verstehen die Mitarbeiter es auch und werden leichter damit fertig."
 

Fair Company | Initiative