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Schikane vom Chef
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Mangelnde Selbstreflektion

Schikanieren und gewinnen

Interview: Christoph Stehr
"Bei mieser Führung verlassen die Talente das Unternehmen." Davon ist Management-Professor Sydney Finkelstein überzeugt. Erfolg werde vielerorts zu sehr an Arbeitsergebnissen gemessen. Dabei ist er ein Gesamtpaket.
Sydney Finkelstein von der Tuck School of Business in Dartmouth erstellt für "Forbes" jedes Jahr eine Liste der "Worst CEOs" weltweit, der schlechtesten Manager. Diese haben nicht nur geschäftlich Misserfolg, sondern versagen auch bei der Führung.

Herr Finkelstein, manche Chefs benehmen sich wie Tyrannen. Warum gelangen sie dennoch bis an die Unternehmensspitze?

Ich sage immer, Sie kriegen die Chefs, die Sie verdienen. Das heißt, wenn Sie den Erfolg von Leuten, die Karriere machen, nur nach ihren Arbeitsergebnissen beurteilen und nicht nach Faktoren wie Unvoreingenommenheit, intellektuelle Ehrlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung, haben Sie es mit eindimensionalen Führungskräften zu tun. Wenn diese dann oben anlangen, sind sie "trainiert", sich so zu verhalten, wie Sie es beschreiben.

Warum dulden Unternehmen schlechte Führung?

Manchmal erzielen schlechte Führungskräfte gute Ergebnisse, indem sie Leute schikanieren. Das kann eine Weile gut gehen, aber der Preis dafür wird offensichtlich, wenn ständig herausragende Talente das Unternehmen verlassen.

Das müssen doch die Leute an der Unternehmensspitze merken!?

Das Problem an der Spitze ist, dass es dort nur eine letzte Instanz gibt, die schlechte Führungskräfte an die Kandare nehmen kann, und das ist der Vorstand. Leider bestehen oft große Probleme mit der Unternehmenskontrolle – einschließlich eines Mangels an wirklicher Unabhängigkeit des Vorstandsvorsitzenden und einer geringen Übersicht aufgrund von Verflechtungen im Gremium.

Hinzu kommt ein allgemeiner Mangel an Aufmerksamkeit für das, was vor sich geht, weil Vorstandsmitglieder mit anderen Dingen beschäftigt sind. Das Ergebnis ist, dass schlechte Führung im Unternehmen entstehen kann.

 

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