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Wer Bewerber will, die tatsächlich passen, muss ganz konkret sagen, was er sucht
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Erfolgreiches Recruiting

Präzision ist der Schlüssel

Teil 2: Männliche Bewerber neigen stärker zur Selbstüberschätzung als weibliche

Der Halo-Effekt tritt auch auf, wenn ein Merkmal als besonders wichtig herausgestellt wird. Heißt es in der Stellenanzeige: "Sie müssen unbedingt verhandlungssicheres Englisch beherrschen – ohne geht es nicht", bewirbt sich der Muttersprachler siegesgewiss ohne zu überprüfen, ob er die restlichen Anforderungen erfüllt.

Interessant für Recruiter: Männliche Bewerber neigen stärker zur Selbstüberschätzung als weibliche. Wer also ellenlange Anforderungslisten schreibt, kann sich sicher sein, dass viele Frauen abwinken und sagen: "Das kann ich nicht alles erfüllen."

Auch bei den Soft Skills gilt: Konkrete Formulierungen zahlen sich aus

Besonders kurios: Laut verschiedenen Studien und Umfragen nehmen sich Personaler pro Bewerbung maximal fünf Minuten Zeit. Danach fällt die Entscheidung, ob ein Kandidat eine Runde weiter ist, oder nicht. Deshalb ist der erste Satz im Bewerbungsschreiben auch so wichtig. In diesen fünf Minuten lässt sich vielleicht erkennen, ob die Berufserfahrung mit den gewünschten Anforderungen übereinstimmt. Aber wie will ein Personaler in fünf Minuten feststellen können, ob ein Bewerber tatsächlich kommunikativ, flexibel, team- oder konfliktfähig ist? Anhand eines Pdfs oder eines Blatt Papiers wäre das auch binnen einer Stunde unmöglich. Stellt sich die Frage: Warum stellen die Unternehmen Anforderungen, die sie in den ersten Schritten des Recruitings ohnehin nicht prüfen?

Fazit: Wer Bewerber will, die tatsächlich passen, muss ganz konkret sagen, was er sucht. Das gilt auch bei den Soft Skills. "Anforderungsprofile sollten sich bei den personenbezogenen Merkmalen auf wenige, zentrale und verhaltensnah formulierte Punkte beschränken", sagt auch Böcker. Wenn mit Belastbarkeit gemeint ist, dass es den Bewerber nicht stören darf, bei Wind und Wetter draußen körperlich zu arbeiten, sollte das genauso in der Stellenanzeige stehen. Sonst läuft man Gefahr, dass sich Frostbeulen mit Stresstoleranz und chronischen Rückenproblemen melden.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2017
 

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