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Personaler sind digitale Spätzünder
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Digitale Spätzünder

Personaler hinken hinterher

Kerstin Dämon, wiwo.de
Während die eine Branche voll digitalisiert ist, hinkt die andere hinterher. Aber auch innerhalb eines Unternehmens gibt es digitale Vorreiter und analoge Schnarchnasen. Zu letzteren gehört häufig die Personalabteilung.
Technischen Veränderungen fallen Branchen und Unternehmen unterschiedlich schwer: Die Automobilindustrie muss reagieren, die Reisebranche ist schon digital und die Finanzbranche reibt sich noch verwundert die Augen.

Dass die Entwicklung einigen schwerer fällt, liegt nicht nur am Geschäftsmodell – oder im Fall der Banken und Versicherungen an Sicherheitsrichtlinien und anderem Regelwerk. Die Bereitschaft, Neuem gegenüber offen zu sein und sich etwas zu trauen, ist immer auch Sache der Unternehmenskultur.
 
Die sehen auch viele Mitarbeiter als Grund, warum es mit der digitalen Transformation im eigenen Unternehmen nicht klappen mag. Die Unternehmensberatung CSC, die ihre Kunden auf ihrem Weg in die digitale Transformation begleitet, hat 1.000 vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland befragt, was sich in im Unternehmen ändern müsste, damit die Digitalisierung Einzug halten kann.

Die Top 3 der Beschäftigten:

1. Innovationen gezielt fördern (67 Prozent)

2. Mitarbeiter für kreative Leistungen belohnen (63 Prozent)

3. starre Abteilungsgrenzen auflösen (58 Prozent)

Die neue digitale Arbeitswelt fordert aus Arbeitnehmersicht also eine grundlegend neue Weichenstellungen für die Zusammenarbeit der gesamten Belegschaft.

Sich darauf einzustellen, fällt offenbar den Personalabteilungen besonders schwer. Laut einer Studie des Talent-Management-Spezialisten Cornerstone OnDemand sind innerhalb der Unternehmen die Personalbereiche die Schlusslichter in Sachen Digitalisierung. 

Excel statt neue Technologien


So nutzt nur ein Drittel der HR-Abteilungen in den rund 800 befragten Unternehmen Software, um Bewerber zu suchen, finden und die bestehenden Mitarbeiter zu bewerten. Der Rest arbeitet mit Excel-Listen, wie viele Bewerbungen eingegangen und wie viele Stellen noch offen sind. Dabei gibt es vielfältige technische Möglichkeiten, sich die Personalarbeit leichter zu machen.
 
Auch bei der Weiterbildung in Sachen Digitalisierung hapere es deshalb, denn Weiterbildung ist in den meisten Unternehmen Sache der Personalabteilung. Sieht die aber selbst keinen Nutzen in den neuen Technologien, scheinen auch die Kollegen aus anderen Abteilungen Pech zu haben.
 
So bemängeln jedenfalls die von CSC befragten Mitarbeiter, dass die betriebliche Weiterbildung nicht den neuen Anforderungen angepasst wird. "Jeder Zweite hält ein Ende der traditionellen HR-Verwaltung für notwendig, die pauschale Schulungskonzepte ohne Rücksicht auf den individuellen Bedarf des einzelnen Mitarbeiters anbietet", heißt es in der CSC-Studie.

Viel Luft nach oben

So sollten Aus- und Weiterbildungsangebote künftig in der aktuellen Problemsituation konkrete Lösungsangebote liefern, die sich in der Praxis bewährt haben (65 Prozent). Beim aktuellen Angebot, die digitale Transformation zu gestalten, sieht die Mehrheit der Befragten im eigenen Unternehmen noch viel Luft nach oben.
 
Rund zwei Drittel bewerten insbesondere die Aus- und Weiterbildung – als Schlüssel einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie – nur mit der Schulnote befriedigend oder schlechter.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2016
 

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