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Jobs in modernen Büros
Foto: Ingo Bartussek / Fotolia
Lust auf Arbeit

Neue Ideen fürs Office der Zukunft

Teil 2: Großraum mag keiner

Gleichzeitig würden knapp 60 Prozent der Befragten die Hälfte ihrer Arbeitszeit gern im Home-Office verbringen. Den Unternehmen kommt das theoretisch entgegen. Im Schnitt hat jeder Büroarbeiter in Deutschland 26 Quadratmeter Fläche für sich – die ließe sich einsparen.

Die für Unternehmen noch günstigere Variante des Desk-Sharing, bei der es weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter gibt, lehnen die Befragten ab. Die Hälfte der Generation Y und mehr als 65 Prozent der Generation X (zwischen 1964 und 1980 geboren) wünschen sich einen festen Platz im Büro. Sie wollen ihren eigenen Schreibtisch inklusive Fotos ihrer Lieben und am liebsten möchten sie auch über die Gestaltung ihres Büros mitentscheiden können.

Nur rund fünf Prozent aller Befragten können sich vorstellen, morgens erstmal abzufragen, ob für sie überhaupt ein Schreibtisch im Büro frei ist und wo.

Attraktivität mit Coworking-Zonen sichern

Was beide Gruppen eint: Ins Großraumbüro will niemand, das Einzelbüro ist begehrt. Mit dem Begriff Großraum verbinden die meisten Lärm, Hektik, Ablenkung und stickige Luft, wie Marcus Mornhart, Managing Director bei Savills in Frankfurt, erzählt.

Also doch wieder: Das Unternehmen in Berlin Mitte mit den schönen großen Büros kriegt sie alle und der Mittelständler aus dem Sauerland guckt in die Röhre?

Muss nicht sein, sagt Roman Diehl, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Consulting cum laude. "Unternehmen, die ihren Hauptsitz an eher unattraktiven Standorten haben, können an urbanen Standorten Coworking-Spaces anbieten", rät er.

Das geht sicher nicht für alle Mitarbeiter, aber ob der Buchhalter nun in München oder in Mönau seine Arbeit macht, spielt für dessen Arbeitsergebnis keine Rolle. "Ein großer deutscher Autohersteller beispielsweise ist einer der größten Kunden des Coworking-Space-Anbieters Mindspace und bietet seinen Wissensarbeitern an, in Berlin zu arbeiten", erzählt Diehl.

Auf die Umgebung kommt es an

Das kann das kleine Versicherungsbüro aus Greifswald natürlich nicht leisten. Genauso wenig verpflanzt der Maschinenbauer aus Kassel-Rothenditmold seine Büroangestellten in ein hippes Loft im Frankfurter Westend. Aber das Drumherum lässt sich auch in der Kleinstadt oder auf dem Land etablieren. "Adidas in Herzogenaurach gelingt es auch, eine attraktive Umgebung zu schaffen", sagt er. Und die Stadt hat noch nicht einmal einen eigenen Bahnhof. "Wenn es am Standort wenig gibt, müssen Unternehmen die Infrastruktur im eigenen Gebäude schaffen", sagt Mornhart.

Eine Betriebskita und eine Kantine seien Punkte, die viel ausmachen und durchaus umsetzbar sind. Aber Vorsicht: "Eine Kantine ist in diesem Fall ein Ort, an dem man nicht nur schnell sein Mittagessen zu sich nimmt, sondern in der sich die Mitarbeiter gerne aufhalten und wo es nachmittags auch Spaß macht, einen Kaffee zu trinken", so Mornhart.

Wer aus Platz- oder finanziellen Gründen nichts dergleichen bieten kann, der solle sich mit anderen Unternehmen vor Ort zusammen tun, rät Mornhart. "Beispielsweise mit dem Hotel, dem Restaurant oder dem Fitness-Studio nebenan.
Beim Fitness-Studio gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die Monatsbeiträge der Mitarbeiter ganz oder teilweise zu übernehmen."

Wer allen Mitarbeiter einen garantierten Platz im benachbarten Kindergarten bietet, seine Mannschaft täglich im gegenüber liegenden Gasthof bekochen lässt und es ihr auch ermöglicht, den Schweinebraten abends wieder abzutrainieren, muss sich nicht hinter Unternehmen verstecken, die das alles im eigenen Haus haben.

 

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