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Kind und Karriere
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Kind und Karriere

Netflix führt voll bezahlte Elternzeit ein

Teil 2: Vereinbarkeit fällt Amerikanern leichter

Obwohl die USA rückständiger bei der gesetzlichen Verankerung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Deutschland sind, gelingt Müttern wie Vätern in den Staaten der Spagat zwischen Kind und Karriere besser. Die Geburtenrate ist mit 1,88 Kindern pro Frau höher als in Deutschland (1,38 Kinder). Die Frauenerwerbsquote liegt mit fast 70 Prozent etwas höher als in Deutschland und auch die Teilzeitquote der Frauen ist geringer als hierzulande, wo fast jede zweite Frau Teilzeit arbeitet – unabhängig davon, ob sie Kinder hat oder nicht.

In Deutschland macht zwar mittlerweile ein Großteil der Mütter Gebrauch von der Elternzeit, aber nur jeder dritte Vater. Auch die Aufteilung der insgesamt 14 Elterngeldmonate für beide Elternteile zusammen bleibt weiterhin traditionell: Die allermeisten Männer gehen nur zwei Monate in Elternzeit, die allermeisten Frauen nehmen die maximale Dauer von zwölf Monaten. Diese klassische Aufteilung soll durch das seit Juli geltende Elterngeldplus aufgebrochen werden, das Paare fördert, die sich die Familienarbeit gleichberechtigter teilen wollen. Sie haben länger Anspruch auf Elterngeld, wenn sie früher in Teilzeit an den Arbeitsplatz zurückkehren.

Vereinbarkeit von Kind und Karriere auch Unternehmenssache

Dagegen finden sich in Deutschland kaum Beispiele für Unternehmen, die Regelungen über das Elternzeitgesetz hinaus anbieten und etwa wie Netflix einen vollen Lohnausgleich in der Familienzeit zahlen oder auch kurzfristige Auszeiten, dazwischen Wiedereinstiege und erneute kurze Auszeiten im Job ermöglichen.

Firmen der New eEonomy haben entdeckt, dass diese Flexibilität ein wichtiger Ansatz ist, um Familien zu unterstützen. Und sie haben erkannt, dass die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur dem Staat, sondern auch den Unternehmen obliegt. Dazu gehören auch Betriebskindergärten, flexible Arbeitszeitmodelle und die Rückkehrrechte von Teilzeit in Vollzeit.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.08.2015
 

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