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Nachhaltigkeit ist ein Imagefaktor
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"Grüne" Unternehmensphilosophie

Nachhaltigkeit zieht Talente an

Teil 2: Nachhaltiges Engagement wird positiv aufgenommen

"Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse der Studie jedoch, dass die befragten Unternehmen bereits zahlreiche CSR-Maßnahmen umsetzen und in den Bereichen Gesellschaft, Mitarbeiter und Umwelt sehr aktiv sind", heißt es in der Studie. Sie seien stark in ihrem Umfeld verwurzelt und engagieren sich dort. Von den Kunden wird das laut Untersuchung in der Regel auch positiv aufgenommen. Bei Konzernen werde dagegen dasselbe Engagement, "schon mal mit Greenwashing in Verbindung gebracht". Allerdings müssen die Konzerne zumindest Buch darüber führen, wie ihr Engagement konkret aussieht – das müssen Mittelständler nicht. Doch ist diese seit Januar 2017 geltende Verpflichtung der börsennotierte Unternehmen, einen CSR-Bericht zu schreiben, nur gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Denn anders als bei der Bilanzierung findet beim CSR-Bericht keine inhaltliche Prüfung statt. Der Bericht ist also im Zweifelsfall das chlorfrei gebleichte Papier nicht wert, auf dem er steht.

Trotzdem wird Nachhaltigkeit und die Dokumentation der Aktivitäten auch für immer mehr Mittelständler Pflicht, wie Christiane Pott von der TU Dortmund und Co-Autorin der Studie, sagt. "Zwar stehen aktuell vor allem Großunternehmen im Fokus der CSR-Debatte, nichtsdestotrotz können die aktuell voranschreitenden gesetzlichen Verschärfungen zur verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung für Großunternehmen durchaus auch eine Ausstrahlwirkung auf den Mittelstand entfalten. Schließlich handelt es sich bei mittelständischen Unternehmen oftmals um Zulieferer von Großkonzernen, die von ihren Partnerunternehmen eine Ausweitung der CSR-Informationen verlangen können."

Kommunikation und Berichterstattung als Schlüssel zum Erfolg

Deshalb rät Pott mittelständischen Unternehmen dazu, sich vor allem um eine bessere Kommunikation des Engagements zu bemühen. Sie rät Unternehmen, einen Blick in standardisierte Rahmenwerke wie zum Beispiel die GRI Richtlinien oder die Leitsätze des UN Global Compact zur Berichterstattung und Kommunikation zu werfen. "Auch für den Mittelstand wären diese Rahmenkonzepte durchaus zu empfehlen", so Pott.

Durch die ausführliche Berichterstattung könnten die Ziele im Bereich Nachhaltigkeit außerdem besser definiert und im Nachhinein evaluiert werden. "Dies erleichtert nicht nur die Erfolgskontrolle. Auch die Einbeziehung von CSR-Themen in die gesamte Unternehmensstrategie lässt sich hiermit deutlich einfacher gestalten. Auf diese Weise ist das Reporting der entscheidende Schlüssel für mehr nachhaltiges Wirtschaften insgesamt", resümiert sie. Und potentielle Geschäftspartner aus dem Dax sehen auf den ersten Blick, ob sich eine Partnerschaft auch im eigenen CSR-Bericht gut macht. Im Zweifelsfall bekommt der den Zuschlag, der die grünere Weste hat.

Das Motto für den Mittelstand muss also lauten: Tue Gutes und rede darüber beziehungsweise schreibe es in deinen Nachhaltigkeitsbericht. Dann könne Nachhaltigkeit auch "zu einem festen und verbindlichen Bestandteil der Unternehmensphilosophie werden", wie Pott sagt.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 31.08.2017
 

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