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Nachhaltigkeit ist ein Imagefaktor
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"Grüne" Unternehmensphilosophie

Nachhaltigkeit zieht Talente an

Kerstin Dämon, wiwo.de
Nachhaltigkeit ist ein Wirtschaftsfaktor – und gut fürs Image ist es auch. Der Mittelstand ist in den Punkten Ökologie, Ökonomie und Soziales gut aufgestellt. Eine Strategie, um damit Talente für sich zu gewinnen, fehlt aber oft.
Nachhaltigkeit ist ein Imagefaktor. Grün und engagiert zieht bei Verbrauchern und Stakeholdern genauso wie bei potenziellen Bewerbern. Deshalb zahlt es sich auch finanziell aus, sich mit dem Begriff zu schmücken, wie hinlänglich bewiesen wurde. Kein Wunder, dass sich die deutschen Unternehmen zunehmend um Nachhaltigkeit in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales bemühen. 

Wie erfolgreich die deutschen Mittelständler damit sind und wo Nachholbedarf besteht, haben die Beratungsgesellschaft Baker Tilly und die Technische Universität Dortmund untersucht. Für ihre Studie zur Verantwortung eines Unternehmens gegenüber der Gesellschaft, also Corporate Social Responsibility oder kurz CSR, haben sie 229 mittelständische Unternehmen zu ihrem Nachhaltigkeits-Engagement befragt.

An der Finanzierung scheitert es meist nicht

Die Ergebnisse: 74 Prozent der Befragten haben sich bereits mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. 80 Prozent glauben, dass es sehr wichtig ist, diesen Aspekt der Unternehmensführung auch irgendwie in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Allerdings hat erst jedes zweite Unternehmen auch eine Strategie, wie es Nachhaltigkeit definiert und wie die sich in die Unternehmensführung integrieren lässt.

Die Finanzierung von Projekten ist dabei gar nicht das Problem, wie die Studie zeigt. 28 Prozent der Befragten haben sogar ein eigenes Budget für ihre CSR-Maßnahmen. Bei 70 Prozent wird das Geld aus anderen Töpfen verwendet. Das bedeutet: Wurden gerade neue Schreibtische für die Buchhaltung bestellt, ist für das geplante Wasserschutzprojekt kein Geld mehr da.

Eine verbindliche Orientierung ist nötig

Auch seien die Aktivitäten oftmals sehr unstrukturiert. Die Personalabteilung organisiert den ehrenamtlichen Einsatz beim Sommerfest des Kindergartens, die Marketingabteilung bewirbt eine Aufforstungsaktion im örtlichen Naturschutzgebiet. An einer Koordination aller Aktionen und Plänen fehlt es – offenbar aus Personalmangel und Zeitknappheit. Nur zehn Prozent der Befragten haben eine eigene Abteilung für derartige Themen, beim großen Rest kümmert sich die Personalabteilung oder das Marketing nebenbei darum.

Knapp zusammengefasst: "Die meisten mittelständischen Unternehmen wollen – können aber nicht", sagt Martin Weinand, Partner bei Baker Tilly und Co-Autor der Studie. "Die Erklärung dieses Phänomens ist in unseren Augen auch gleich der Lösungsansatz: Es fehlt die verbindliche Orientierung, so wie sie in anderen Unternehmensbereichen vorgegeben ist, wo es primär und unmittelbar um Profitabilität geht."

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

 

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