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Das demokratische Unternehmen: Gruppe zieht gemeinsam an einem Strang
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Demokratisierung der Arbeitswelt

Mitmischen im Unternehmen

TUM | AK
Digitalisierung verändert die Verhaltensweisen von Menschen – und in Zeiten der Digitalisierung wünschen sich die meisten Deutschen, dass Unternehmen demokratischer geführt werden.
Den eigenen Chef wählen und die Firmenstrategie mitbestimmen – Unternehmensalltag ist das noch nicht. Diese Studienergebnisse haben die TU München und das ISF München heute auf einer internationalen Konferenz vorgestellt. Bundesarbeitsministerin Nahles forderte dort, die Möglichkeiten der Digitalisierung für ein Mehr an Freiheit zu nutzen.

Der Startschuss für eine lebhafte Auseinandersetzung über eine neue Humanisierung der Arbeitswelt ist damit gefallen. Die digitale Vernetzung stellt die Arbeitsorganisation in Unternehmen auf den Prüfstand. Beschäftigte können und sollen ihr Wissen permanent teilen, Schnittstellen organisieren, über Abteilungsgrenzen hinweg interagieren. Das bedeutet auch: Unternehmen sind mehr denn je abhängig von der aktiven Beteiligung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch Skepsis besteht, denn mitwirken wollen viele Mitarbeiter, Verantwortung tragen aber nur wenige. Können in Unternehmen überhaupt noch die wichtigsten Entscheidungen von einsamen Herrschern an der Spitze getroffen werden?

Schon heute gibt es Unternehmen, in denen Mitarbeiter das Management wählen, sich in Führungsrollen abwechseln, über Arbeitszeiten und Gehälter abstimmen, vor wichtigen Entscheidungen eingebunden werden oder die Bilanzen einsehen können. Über diese Modelle, Möglichkeiten und Herausforderungen, diskutierten Unternehmer, Gewerkschafter, Politiker und Wissenschaftler auf der Konferenz "Das demokratische Unternehmen – Aufbruch in eine neue Humanisierung der Arbeitswelt?" der Technischen Universität München (TUM), des Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München und der Human Ressources Alliance.

BMAS
Bürger im Betrieb

Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, erklärte, dass in unserem Arbeitsrecht die Demokratie im Unternehmen längst implementiert sei – mit Mitbestimmung, Kündigungssschutz, Gleichstellungsbeauftragten sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz. "Demokratie fängt dort an, wo die Beschäftigten als ,Bürger im Betrieb’ ernstgenommen werden." Wo Vertrauen herrsche, steige Leistung, sei Raum für Innovation.
 
"Insbesondere die durch Digitalisierung veränderte Arbeitswelt bietet hier enorme Chancen und Möglichkeiten, ein Mehr an Freiheit und Vereinbarkeit von Leben und Beruf zu erreichen." Dies sei aber nur durch einen neuen Flexibilitätskompromiss möglich. "Demokratie im Unternehmen bleibt auch in Zukunft das richtige Modell." Wobei Mitbestimmung zu einem globalen Thema werden müsse.

Thomas Sattelberger, Vorsitzender der Human Ressources Alliance, forderte: "Demokratische Unternehmen sind eine neue Option der Unternehmensentwicklung und führen zu einem Systemwettbewerb, dem sich die starre deutsche Wirtschaft stellen muss. Vor allem Unternehmen, die von Innovationskompetenz leben, sind gefordert, nicht nur Souveränität bei Arbeitszeit und Arbeitsort sowie Mitsprache bei der Wahl von Führungskräften und Teamkollegen einzuräumen, sondern auch Mitarbeiter aktiv an der Entwicklung der Unternehmen teilhaben zu lassen."
 

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