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Fehlzeiten-Report AOK
Foto: Matthias Buehner/Fotolia.com
Fehlzeiten beeinflussen

Mit Wohlfühl-Atmosphäre gegen hohen Krankenstand

Kerstin Dämon, wiwo.de
Eine schlechte Unternehmenskultur gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten. Mitarbeiter, die in ihrem Arbeitsumfeld eine schlechte Stimmung erleben, sind unzufriedener mit ihrer eigenen Gesundheit und auch häufiger krank.
Die Bedeutung einer guten Unternehmenskultur ist ein fortlaufendes Thema. Mittlerweile ist sie nicht mehr nur irgendein Marketing-Schlagwort, man kann sich sogar etwas darunter vorstellen. In einem Betrieb mit guter Kultur steht das Unternehmen, sprich: die Führungsriege, hinter der Belegschaft: Wer gute Arbeit leistet, wird auch mal gelobt – und Mitarbeiter sind nicht nur Leibeigene, sondern dürfen sogar mitbestimmen.

Veränderungen werden möglichst transparent kommuniziert, und der Betrieb bietet neben dem Gehalt weitere Sozialleistungen an oder spendiert auch mal einen Obstkorb und beteiligt sich am Beitrag fürs Fitness-Studio.

Soweit die Theorie.

In der Praxis klaffen Wunsch und Wirklichkeit häufig auseinander. Das zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). So wünschen sich beispielsweise 78,3 Prozent der 2000 befragten AOK-Versicherten, dass ihr Unternehmen hinter ihnen steht, tatsächlich erleben das jedoch nur 54,8 Prozent. Auch gute freiwillige Sozialleistungen des Arbeitgebers kennen nur 45,7 Prozent. 62,3 Prozent würden sie sich wünschen. In den anderen Punkten ist die Diskrepanz ähnlich hoch.

Unternehmenskultur muss gepflegt werden

Das Leben ist kein Wunschkonzert und der Arbeitgeber nicht dazu da, seinen Mitarbeitern jeden Wunsch von den Augen abzulesen – könnte man meinen. Wenn es sich nicht rächen würde, die Unternehmenskultur zu vernachlässigen. Denn eine schlechte Unternehmenskultur geht mit einem deutlich höheren gesundheitlichen Risiko für die Mitarbeiter einher.

27 Prozent derer, die ihre Unternehmenskultur als schlecht beschreiben, sind auch mit ihrer eigenen Gesundheit unzufrieden. Bei den Befragten, die ihr Unternehmen positiv sehen, war es nur jeder Zehnte. "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben, und ihrer Gesundheit", sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Reports. 

Mitarbeiter in Unternehmen mit schlechter Kultur sind nicht nur unzufrieden mit der eigenen Gesundheit, sie sind auch tatsächlich häufiger krank.

In solchen Unternehmen treten körperliche Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit stehen, mehr als doppelt so häufig auf (66,6 Prozent im Vergleich zu 32 Prozent bei einer guten Unternehmenskultur). Bei den psychischen Beschwerden sind die Verhältnisse vergleichbar (65,1 Prozent gegenüber 35,8 Prozent bei einer guten Unternehmenskultur).


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Unterschiede gibt es aber auch im Umgang der Beschäftigten mit ihren Erkrankungen: Bei einer schlecht bewerteten Unternehmenskultur hat nahezu jeder Dritte (31 Prozent) im letzten Jahr mehr als zwei Wochen im Betrieb gefehlt. In der Vergleichsgruppe mit einer positiv erlebten Unternehmenskultur war dies nur etwas mehr als jeder Sechste (16,9 Prozent).

Letztlich hat die erlebte Unternehmenskultur auch Einfluss darauf, wie häufig entgegen dem ärztlichen Rat entschieden wird, krank zur Arbeit zu gehen: Während das nur 11,8 Prozent der Beschäftigten tun, die ihre Unternehmenskultur positiv erleben, zeigen Beschäftigte in Unternehmen mit einer schlechten Unternehmenskultur häufiger ein riskantes Verhalten (16,7 Prozent).

Wer zufrieden mit seinem Arbeitsplatz ist, wird also seltener krank fällt für kürzere Zeiträume aus und steckt nicht unnötig die Kollegen an. Das sollte Arbeitgeber zu denken geben.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 20.09.2016

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