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Der Chefsessel im Mittelstand scheint niemals frei zu werden.
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Schwierige Unternehmensnachfolge

Lebenssinn Firma

Teil 2: Wo bleibt die Innovationskraft?


Mit steigendem Alter sinkt die Investitionsbereitschaft


Was für das Unternehmen – so der passende Nachfolger gefunden wird -– zumeist nur gut sein kann. Denn je älter der Chef, desto geringer die Innovationen, zeigt die Demografie-Studie der KfW. Mit steigendem Alter des Firmenpatriarchen sinkt demnach dessen Investitionsbereitschaft. "Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit", fasste KfW-Chefvolkswirt Zeuner die Studienergebnisse zusammen.

Das belegt unter anderem der Fall Metz. Der traditionelle Fernsehhersteller ignorierte die Billigkonkurrenz aus Fernost und hinkte bei neuer Display-Technologie hinterher. Stattdessen setzte die Chefin auf Altbewährtes: Fach- statt Onlinehandel und Premiumgeräte zu Premiumpreisen. 2014 musste das Unternehmen, dessen Beiratsvorsitzende sie damals noch war, Insolvenz anmelden. Mittlerweile ist es in chinesischer Hand.

Bei Fielmann müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Binz. Das Unternehmen sei, trotz des hohen Alters des Chefs, gerade nicht der vielzitierte Fall, bei dem der Senior den Kindern das Führen nicht zutraue. "Ganz im Gegenteil: Im Fall Fielmann kann man wohl von einer Bilderbuch-Nachfolgeregelung sprechen." Dass Fielmanns Vertrag, obwohl er schon 78 Jahre alt ist, noch einmal verlängert wurde, sei ein sinnvoller Schritt. "Einerseits will niemand eine Interimslösung für wenige Jahre. Andererseits erscheint es allen Beteiligten ideal, Marc Fielmann Gelegenheit zu geben, noch einige Jahre eng mit seinem Vater im Vorstand zusammenzuarbeiten."

Mit Digitalisierung und Übernahmen in die Zukunft?

Entsprechend habe der 16-köpfige Aufsichtsrat die Entscheidung einstimmig abgesegnet. Fielmanns Sohn Marc ist seit Januar 2016 Marketingvorstand. "Mein Vater hat mir von Kindesbeinen sehr viel Verantwortung übertragen", sagte er in einem Interview mit Capital. Noch drei Jahre mit dem Vater zusammenzuarbeiten, kann dennoch nicht schaden. Schließlich ist der Filius mit derzeit 27 Jahren noch recht jung. Dass der Senior ihm Beistand gibt, ist da genauso nachvollziehbar, wie der Wunsch, dem Sohn keinen CEO auf Zeit vor die Nase zu setzen.

Und der Sohn? "Mein Alter und meine persönlichen Kontakte sind sicherlich ein Vorteil für die Digitalisierung bei Fielmann", sagt er selbstbewusst. Die wolle er auch vorantreiben. Auch eventuelle Übernahmen anderer Unternehmen schließt er für die Zukunft nicht aus. Besonders wichtig sei ihm jedoch, das Unternehmen seines Vaters in Familienhand zu behalten und an spätere Generationen weiterzugeben. Und das am besten, bevor er das Greisenalter erreicht hat.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 27.04.2017
 

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