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Brutstätten für Start-ups: Konzerne als Gründungshelfer
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Firmenbrutkästen

Konzerne als Gründungshelfer

Teil 3: Zielen auf reifere Start-Ups

Den einzigen Ausweg, die Geldvernichtung zu stoppen, sah der Konzern offenbar in der Integration der Start-ups in diverse andere Tochterfirmen. Discavo gehört jetzt zum Reiseableger ProSieben Travel, der andere Urlaubsportale wie Weg.de oder Mydays bündelt. Gymondo und Valmano werden heute von SevenVentures betreut, dem Beteiligungsarm von ProSiebenSat.1. Künftig will sich der Konzern auf reifere Start-ups konzentrieren, statt Firmen in ihrer Entstehungsphase zu unterstützen.

Rückzug aus Verlustgeschäft

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, stellte auch Mediengigant Bertelsmann seinen Inkubator Bevation ein. Mitte 2014 ging die Bevation-Web-Seite plötzlich vom Netz. Zuvor hatte Snoopet – eine Online-Community für Hundefreunde, an der Bevation beteiligt war – die Hütte dichtgemacht. Deutschlands Medienprimus hatte vergeblich versucht, per Accelerator sieben Unternehmen ins Erwachsenenalter zu hieven, neben Snoopet etwa die Meinungsplattform Glinch, den Städteguide Citties sowie Mamibox, einen Versender von Boxen mit Knabbereien, Kosmetik und Babyklamotten.

Doch letztlich fehlten die wirtschaftliche Perspektive und die kritische Masse, um Verlustbringer durchschleppen zu können, sodass Bertelsmann die Start-ups nach und nach schloss.

Widersprüchliche Interessen

Der Kern solchen Scheiterns scheint in einem nur schwer auflösbaren Widerspruch zu liegen. "Es existiert oftmals eine unterschiedliche Interessenlage zwischen dem Konzern und dem Start-up", sagt Szene-Kenner Thümmler. "Dadurch arbeiten beide Partner nicht immer miteinander."

So wolle ein Konzern mithilfe seines Accelerators vor allem günstig an Innovationen kommen und sei daher interessiert an einem möglichst niedrigen Preis für die Beteiligung am Start-up. Wenn dabei doch ein Star entstehe, der Milliarden wert ist, sei dies nur ein schöner Nebeneffekt. 

Aus Partnern werden Feinde

Unabhängige Inkubatoren hingegen wollten, dass ihre Start-ups schnell wachsen und ihren Wert steigerten, um möglichst teuer verkauft werden zu können. "Diese gegenläufigen Interessen können im Laufe der Partnerschaft zwischen Konzern-Inkubator und Start-up zu Ärger und Ausseinandersetzungen führen", sagt Thümmler. "Unabhängige Inkubatoren wie etwa Y Combinator sind eher ein funktionierender Ansatz.“

Für schädlichen Zoff steht zum Beispiel das Online-Portal Immobilienscout24 – dessen Muttergesellschaft Scout24 mehrheitlich dem US-Finanzinvester Hellman & Friedman gehört – mit seinem eigenen Inkubator You is Now. So bezichtigt das heute insolvente Start-up Deskwanted den Inkubator You is Now indirekt der Erpressung. Laut Deskwanted-Chef Carsten Foetsch habe You is Now einen zugesagten sechsstelligen Betrag nicht überwiesen und so das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Auf Anfrage weist Immobilienscout24 die Vorwürfe in allen Punkten als haltlos zurück.
 

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