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Brutstätten für Start-ups: Konzerne als Gründungshelfer
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Firmenbrutkästen

Konzerne als Gründungshelfer

Teil 2: Auf der Jagd nach dem Einhorn

Großes Vorbild ist Y Combinator im kalifornischen Mountain View. Der 2005 gegründete Inkubator versorgt Start-ups bis zu drei Jahre lang mit Geld und Wissen – und verschafft den Gründern Zugang zu ihresgleichen, Mentoren und Kapitalgebern. Y Combinator gibt Jungunternehmern eine anfängliche Kapitalspritze – in der Regel 120 000 Dollar, und erhält dafür einen Unternehmensanteil von sieben Prozent.

Weit mehr als 700 Gründer hat Y Combinator in der vergangenen Dekade unterstützt und sie teilweise zu weltberühmten Unternehmen gemacht, darunter die Zimmervermittlung AirBnB und der Internet-Speicherdienst Dropbox. Laut Y-Combinator-Chef Sam Altman lag der Wert aller Beteiligungen im Juli 2014 bei mehr als 30 Milliarden Dollar, die Firmen im Inkubator haben insgesamt drei Milliarden Dollar Risikokapital eingesammelt. Eine vergleichbare Start-up-Schmiede in Deutschland haben nur die Samwer-Brüder mit Rocket Internet in Berlin hochgezogen.

Talente sichern

Die Konzerne hierzulande dagegen gehen nur auf den ersten Blick ähnlich vor, wenn sie Start-ups unterstützen. Zwar stellen auch sie erfahrene Betreuungsteams, die Infrastruktur samt Büros und IT-Ausstattung sowie eine Anschubfinanzierung bereit und erhalten dafür eine Beteiligung an den Start-ups.

Allerdings verbinden sie damit andere Ziele als unabhängige Inkubatoren wie Y Combinator oder die Samwers. Denn Konzerne wollen mithilfe der Brutkästen in erster Linie frühzeitig Zugriff auf neue Ideen erhalten und so an Innovationen gelangen, ohne diese mühsam intern entwickeln oder später teuer einkaufen zu müssen.

Dafür eignen sich Inkubatoren aber allenfalls begrenzt. Denn die großen Vorbilder wie Y Combinator arbeiteten nach dem Prinzip "Spray & Pray", sagt Thümmler. Anders formuliert: Sie verteilen Geld per Gießkannen an eine Vielzahl von Gründern. Zwar kämen die meisten davon überhaupt nie hoch. Es reiche aber ein "einziges Einhorn", um die "Performance des gesamten Portfolios herauszureißen".

"Total verzockt"

Geld verteilen und Beten helfen aber nichts, wenn nur einige wenige Start-ups die Jagdgründe bei der Suche nach dem Einhorn bilden. Daran scheiterte auch Epic Companies, der Inkubator von ProSiebenSat.1. Leiter Mato Peric und seine Truppe beschäftigten bis zu 250 Mitarbeiter, um ganze sieben Start-ups zum Fliegen zu bekommen, darunter die Sportplattform Gymondo, den Schmuckladen Valmano und das Hotelbuchungssystem Discavo.

"ProSiebenSat.1 hat da unglaublich viel Geld reingesteckt, sich aber total verzockt", sagt ein Branchenkenner, der ungenannt bleiben will. Am Ende sei die Burn-Rate – also der Anteil des verbrannten Geldes – zu hoch gewesen.

Angeblich verlor Epic Companies in einem Jahr 10 bis 20 Millionen Euro, berichtet ein anderer Insider. ProSiebenSat.1 bestreitet die Summe und verweist darauf, dass ein "Großteil der Neugründungen" fortgeführt werde.
 

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