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Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, ist das niemals nur ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern immer auch eine psychologische Krise
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Unternehmen vor dem Untergang

Klare Kommunikation in Krisenzeiten

Teil 4: Phase fünf: Akzeptanz

Phase fünf: Akzeptanz: "Was jetzt zu tun ist..."

An diesem Punkt hinkt die Analogie zwischen dem ursprünglichen Kontext des Modells von Kübler-Ross und dem Geschäftsleben in Teilen. Während es bei todkranken Menschen tatsächlich darum geht, das Unvermeidliche zu akzeptieren, besteht für ein Unternehmen oft noch die Möglichkeit, sich umzustrukturieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder bisher nicht beachtete Kundengruppen anzusprechen.

Im Unternehmenskontext besteht die Phase der Akzeptanz also darin, die objektive Sachlage anzuerkennen, die betriebswirtschaftlichen und auch psychologischen Tatsachen auf den Tisch zu bringen. Es geht darum, in den Dialog zu gehen, sei es mit Kunden, Zulieferern, Banken, der Öffentlichkeit – und natürlich auch den eigenen Mitarbeitern. Denn jetzt geht es darum, eine Zukunftsstrategie zu entwickeln, die weder übermäßig optimistisch, noch zu pessimistisch ist. Im Idealfall ist diese Phase geprägt von nüchterner Klarheit, einer Konzentration auf das Wesentliche. Unter den richtigen Voraussetzungen kann ein Unternehmen gewandelt und gestärkt (wenn auch möglicherweise geschrumpft) aus diesem Stadium hervorgehen.

Woran Sie die Phase der Akzeptanz erkennen können:


• Die Stimmung im Unternehmen ist geprägt von Betriebsamkeit, weder übermäßig optimistisch noch pessimistisch. Es wird getan, was getan werden muss.

•Es gibt eine glaubwürdige Zukunftsvision für das Unternehmen.

•Alle relevanten Stimmen, intern und extern, werden gehört und wertgeschätzt.

•Die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens kommunizieren im Rahmen des Notwendigen miteinander und respektieren sich.

•Leistungsträger können zum Verbleib im Unternehmen bewegt werden.

•Fehlzeiten gehen zurück, wichtige KPIs zeigen eine Trendwende auf.

Was zu tun ist:

Weitermachen. Und Ausschau halten nach Rückfällen in vorherige Phasen.

Wo steht Ihr Unternehmen gerade?

Selbst ein im Kern gesundes Unternehmen kann in Zeiten von Hyperglobalisierung und disruptiver Innovation unvermittelt in eine bedrohliche Schieflage geraten. Es ist nicht in allen Fällen möglich (und auch gar nicht wünschenswert), die geschilderten psychologischen Reaktionen vollständig zu unterdrücken – schließlich arbeiten in jedem Unternehmen normale Menschen mit Sorgen, Ängsten und Nöten und diese sollten auch zum Ausdruck kommen dürfen. Das Ziel guter Unternehmensführung ist es also, dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter mit der notwenigen Klarheit den zukünftigen Herausforderungen des Unternehmens widmen.

Nur so lässt sich das Unternehmen möglichst ohne Umwege in die betriebswirtschaftliche Akzeptanzphase führen. Und je früher man das Abdriften in eine der von Kübler-Ross beschriebenen Phasen erkennt, desto leichter ist es möglich, das Unternehmen auch wieder in ruhige und geordnete Fahrwasser zu manövrieren – und das Schlimmste zu vermeiden.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 23.08.2017
 

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