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Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, ist das niemals nur ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern immer auch eine psychologische Krise
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Unternehmen vor dem Untergang

Klare Kommunikation in Krisenzeiten

Teil 3: Phase drei und vier: Verhandeln und Depression

Phase drei: Verhandeln: "Ich werde alles tun, um uns zu retten. Wenn nur..."

Spätestens jetzt wird die Gefahr für das Unternehmen als real akzeptiert. Diese Phase ist geprägt von Aktionismus. Es werden Task Forces gebildet, Effizienzprogramme aufgelegt und gerne auch externe Berater eingekauft, die den bereits eingeschlagenen Weg validieren sollen. Dieser Abschnitt ist besonders nervenaufreibend für die mittleren Hierarchieebenen.

Aufgrund ihrer Expertise und Erfahrungen aus der Vergangenheit wissen sie um die mangelnde Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen, sind allerdings nicht willens oder in der Lage, einen alternativen Kurs einzuschlagen. Steigende Fehlzeiten durch psychische Belastungen können ein Kennzeichnen dieser Phase sein. Scheitert ein Unternehmen endgültig in diesem Stadium, so dient dies der Führungsetage oft als moralische Entlastung "Man kann uns nichts vorwerfen. Wir haben doch alles getan.".

Woran Sie die Phase des Verhandelns erkennen können:

• Die Stimmung im Unternehmen ist geprägt von übereifriger Betriebsamkeit und Rastlosigkeit.

• Es werden viele Projekte und Task Forces gegründet, die jedoch unkoordiniert nebeneinander existieren.

• Das Überstunden-Niveau steigt deutlich an.

• Arbeitsausfälle durch physische und psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu.

Was stattdessen zu tun ist:

Organisationale Energie managen, Maßnahmen und Programme auf Relevanz und Wirksamkeit überprüfen. Auf das Wesentliche konzentrieren, die Mitarbeiter schützen.

Phase vier: Depression: "Es ist aus! Wir sind am Ende..."

Nach der Verhandlungsphase kommt es mitunter zur Depression und Lähmung. Der Energielevel in der Organisation sinkt rapide, man betrauert die guten alten Zeiten oder malt sich Schreckensszenarien aus. Typischerweise verlassen viele Menschen eine Organisation in dieser Phase freiwillig, insbesondere die Leistungsträger. Auch Partner (Kunden, Zulieferer, Banken etc.) wenden sich ab, Verträge werden gekündigt, Kreditlinien eingefroren. Es fehlen Wille und die Energie, sich mit den wirklich relevanten Themen auseinanderzusetzen und folgerichtige Schritte einzuleiten. Je länger das Unternehmen in diesem Stadium verweilt, desto wahrscheinlicher wird eine Abwärtsspirale bis zum faktischen Zusammenbruch.

Woran Sie die Phase der Depression erkennen können:

• Die Stimmung im Unternehmen ist geprägt von Freudlosigkeit und Passivität.

• Wichtige zukunftsgerichtete Kennzahlen (Neukunden-Gewinnung, Produktentwicklung etc.) brechen ein.

• Fehlzeiten durch Krankheiten sind unvermindert hoch.

• Die Turnover-Rate steigt: Mitarbeiter verlassen vermehrt das Unternehmen, insbesondere Leistungsträger.

Was stattdessen zu tun ist:

Wachrütteln. Eine glaubwürdige Zukunftsvision entwickeln und diese kommunizieren, an die Mitarbeiter wie auch externe Instanzen (Kunden, Banken, Zulieferer). Leistungsträger im Unternehmen halten.
 

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