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Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, ist das niemals nur ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern immer auch eine psychologische Krise
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Unternehmen vor dem Untergang

Klare Kommunikation in Krisenzeiten

Nico Rose, wiwo.de
Wenn Organisationen scheitern, merkt man das nicht nur an den Umsätzen, sondern auch am Verhalten der Führungskräfte. Die benehmen sich nicht selten wie Todkranke. Das geht auch anders.
Im Januar 2017 gab Yahoo seine endgültige Abwicklung bekannt. Das Webgeschäft des früheren Internet-Giganten ging für einen Bruchteil des einstmals stolzen Unternehmenswertes an den US- Mobilfunkbetreiber Verizon. Knapp fünf Milliarden Dollar zahlte Verizon dafür, 2007 hatte Microsoft den Yahoo-Aktionären noch rund 44 Milliarden Dollar für eine Übernahme geboten.

Der traurige Yahoo-Rest, nämlich der Unternehmensanteil am chinesischen Online-Riesen Alibaba, wird voraussichtlich in Altaba umbenannt. Der Name Yahoo ist Geschichte.

Die geschasste CEO Marissa Mayer, 2012 als Heilsbringerin vom Konkurrenten Google abgeworben, hatte versucht, Yahoo mit kostspieligen Übernahmen wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

So übernahm Yahoo beispielweise 2013 für über eine Milliarde Dollar den Blogging-Dienst Tumblr, ohne dass der je signifikante Umsätze erzielt hätte. Viele Analysten sagten, dass hier gutes Geld schlechtem Geld hinterher geworfen wurde. Mayer kann das ziemlich egal sein. Laut Medienberichten erhielt sie inklusive der ihr vertraglich zustehenden Aktienoptionen eine Abfindung von rund 23 Millionen Dollar, sie fällt also weich.

Übernahmen und ein neuer Manager zur Rettung

Yahoo ist beileibe nicht der einzige gescheiterte Milliardenkonzern. Im deutschen Raum sei an den Niedergang einstiger Handelsriesen wie Arcandor und Schlecker erinnert. Auch die früheren Giganten im Markt für Handys, Nokia und Motorola, waren vor wenigen Jahren in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zu halten. Die jeweiligen Mobilfunksparten gingen an Microsoft beziehungsweise Google.

Auffällige Gemeinsamkeit dieser Geschichten ist die Tatsache, dass zumeist relativ kurz vor dem betriebswirtschaftlichen Ende – von außen betrachtet irrational und aktionistisch anmutend – noch Unmengen an Ressourcen verbrannt wurden. Mal sollten es kostspielige Übernahmen richten, wie im Fall von Yahoo. Ein anderes Mal war es die rettende Killerapplikation, beispielsweise das in der Bedeutungslosigkeit versunkene Betriebssystem Symbian von Nokia.

Oft ist es auch eine überlebensgroße Management-Figur, die – gleich einem für die letzten fünf Saisonspiele eingekauften Fußballtrainer – das Unternehmen vor dem Abstieg retten soll, so geschehen zum Beispiel mit Thomas Middelhoff und Arcandor.

Modell der fünf Phasen

Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät und – im schlimmsten Fall – von der Insolvenz bedroht ist, ist das niemals nur ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern immer auch eine psychologische Krise. Zumindest beim einzelnen Menschen verläuft eine schwere Krise in fünf Phasen, wie die schweizerisch- amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross im Umgang mit Sterbenden herausgefunden hat.

Kübler-Ross' Phasenmodell ist umstritten. Sie selbst hat es später relativiert: nicht alle Menschen durchlaufen notwendigerweise alle Stadien nacheinander. Eher scheinen die meisten Personen zwischen verschiedenen Phasen hin und her zu wechseln. Das Modell wurde später auch auf weniger dramatische Verlustprozesse übertragen, beispielsweise die Verarbeitung der elterlichen Scheidung bei Kindern.

Ebenfalls gibt es Autoren, die das Phasenmodell als prototypisch für Reaktionen in Veränderungsprozesse an sich betrachten, so auch Change-Prozesse in Unternehmen. So lässt sich das Modell auch auf bedrohliche Unternehmenssituationen übertragen.
 

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