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Weinen im Büro
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Tränen im Büro

"Hilfe, mein Mitarbeiter weint"

Lisa Oenning, wiwo.de
Wenn der Mitarbeiter weint, sind viele Führungskräfte ratlos. Management-Coach Sabine Prohaska erklärt, wie Chefs mit dieser Situation umgehen und Angestellte die Kontrolle über ihre Gefühle zurückgewinnen.
Der Mitarbeiter bricht plötzlich in Tränen aus. Wie reagiert ein Chef in dieser Situation angemessen?

Sabine Prohaska: Prinzipiell gilt: ruhig bleiben. Der Chef sollte seinem Mitarbeiter erst einmal ein Taschentuch reichen und warten, bis sich dieser beruhigt hat. Erst dann sollte die Führungskraft das Gespräch suchen und den Mitarbeiter erzählen lassen, was passiert ist.

Wer reagiert in solchen Situationen besser: Mann oder Frau?

Frauen können meistens besser mit den Gefühlsausbrüchen von Mitarbeitern umgehen, weil sie sich einfacher in deren Lage versetzen können. Vor allem wenn Männer weinen, wissen männliche Führungskräfte oft nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Viele reagieren verhalten, weil es ihnen peinlich ist, dass sie mit dieser Situation überfordert sind. Andere reagieren ärgerlich und fordern den Mitarbeiter auf, sich zusammenzureißen.

Bei Frauen ist das anders?

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen können Chefs schnell den Eindruck bekommen, dass der Mitarbeiter nicht so belastbar ist, wenn er ihm keinen guten Grund für seinen Heulkrampf nennt. Frauen wird Weinen am Arbeitsplatz noch eher zugestanden als Männern. Das liegt am klassischen Rollenbild, das noch in vielen Köpfen verankert ist: Frauen sind schwächer und damit emotionaler. Männer müssen stark sein. Da ist Weinen für viele ein absolutes No-Go.

Was ist Ihrer Erfahrung nach der häufigste Grund für Gefühlsausbrüche am Arbeitsplatz?

Hauptsächlich Streit mit Kollegen. Aus Gesprächen mit Führungskräften weiß ich, dass es für viele Angestellte schlimm ist, wenn das Unternehmen einzelne Abteilungen umstrukturiert und der Chef den Mitarbeiter in einen anderen Raum, zu neuen Kollegen, versetzt.
 

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