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Managergehälter
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Managergehälter

Große Gehaltskluft schadet Unternehmen

Daniel Rettig, wiwo.de
Ab 2017 sollen US-Unternehmen die Gehaltslücke zwischen Vorstandschefs und Mitarbeitern veröffentlichen. Studien zeigen: Ein hohes Einkommensgefälle zwischen Top-Managern und Angestellten befeuert Frust und Neiddebatten.
Beispiel Martin Winterkorn: Im vergangenen Jahr verdiente der Volkswagen-Chef insgesamt 15,9 Millionen Euro – und sorgte an Stammtischen wieder für reichlich Gesprächsstoff. Doch richtig beeindruckend werden die Gehälter der Führungselite erst, wenn man sie zu den Einkommen der restlichen Angestellten ins Verhältnis setzt.

Nach Berechnungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verdiente das durchschnittliche Vorstandsmitglied von Daimler im Jahr 2011 demnach das 70-Fache eines durchschnittlichen Angestellten. Das ist geradezu bescheiden im Vergleich zum Wolfsburger Autoriesen: Die VW-Bosse erhielten das 170-Fache.

US-Konzerne müssen Gehaltslücke zwischen CEO und Angestellten veröffentlichen

In den USA dürfte die Debatte bald neu beginnen. Denn dort hat die Börsenaufsicht SEC nun eine neue Regel beschlossen. Trotz heftiger Proteste der Wirtschaft müssen börsennotierte Unternehmen ab 2017 die Gehaltslücke zwischen Vorstandschefs und Mitarbeitern veröffentlichen. Oder genauer: Sie müssen den Mittelwert (Median) der Angestelltenlöhne berechnen, mit dem Einkommen des CEOs vergleichen – und diese Informationen Investoren zugänglich machen.

Man ahnt schon jetzt, dass es in vielen Konzernen eine große Kluft zwischen Chefetage und Bürofluren gibt. Und genau dieser Unterschied befeuert nicht nur die Neiddebatte in Küchen und Kantinen – sondern schadet langfristig auch den Konzernen.

"Bemerken die Kunden solch ein hohes Missverhältnis, sinkt das Ansehen des Unternehmens – und gleichzeitig die Bereitschaft, dessen Produkte zu kaufen." So lautet zumindest das Fazit einer neuen Studie von Forschern um Bhavya Mohan, Doktorandin an der Harvard Business School.
 

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