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Diversity im Unternehmen
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Diversity

Generationsunterschiede verstehen

wiwo.de, Kerstin Dämon
Was denken unterschiedliche Generationen über ihren Arbeitsplatz und ihre Führungskräfte? Eine Studie zeigt: Die Generation Y ist am wenigsten mit ihrem Job zufrieden. Die anderen lehnen sich dagegen entspannt zurück.
Noch nie haben so viele verschiedene Altersgruppen in Unternehmen zusammengearbeitet wie heute. Je nach Unternehmen sitzen hinter den Schreibtischen die Babyboomer (Jahrgänge 1945 bis 1964), dann die Jahrgänge 1965 bis 1979, die viel diskutierte Generation, die zwischen 1980 und 1994 geboren wurde und die ganz Jungen, die nach 1995 zur Welt kamen. Mit etwas Glück gehört der Seniorchef noch einem anderen Jahrgang an und ist vor 1945 geboren.

Dann arbeiten in einem Betrieb fünf Generationen. In punkto Diversity – also Vielfalt im Unternehmen – ist das eine wünschenswerte Mischung. Schließlich bringt jede Generation auch ihren eigenen Blick auf die Dinge mit und kann so zum Unternehmensfortschritt beitragen.

"Ein solcher Generationen-Mix bereichert die Zusammenarbeit, kann aber auch zu Spannungen und Missverständnissen führen", sagt Michael Träm, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Hay Group. Für Arbeitgeber sei es deshalb besonders wichtig, die Erwartungen und Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen zu kennen. Und die liegen mitunter weit auseinander, wie eine Analyse aus seinem Hause zeigt.

Bedürfnisse der Generationen unterscheiden sich kaum

Vorneweg: Die jüngere Generation erwartet von ihrem Chef nicht, dass er ihrer Arbeit Sinn und Erfüllung stiftet. Und auch die Flexibilitäts-und-Spaß-Extrawurst, von der im Bezug auf die Generation-Y-Angestellten oft die Rede ist, müssen Unternehmen nicht braten. Nicht einmal, wenn sie schlimm vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Denn tatsächlich stimmen alle Generationen – von Baujahr 1945 bis 1995 – darin überein, was sie von einem Unternehmen fordern, damit sie nicht kündigen: Sie alle wollen eine spannende und herausfordernde Tätigkeit, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung sowie Eigenverantwortung und Freiräume. Besonders geschätzt werden Maßnahmen zum Mitarbeiterengagement lediglich bei den älteren Beschäftigten über 55 Jahre. Das ist zumindest das Ergebnis der Auswertung der Studien "Best Companies for Leaders" mit 18.000 Teilnehmern aus 2 100 Organisationen, den Ergebnissen aus Mitarbeiterbefragungen unter insgesamt mehr als fünf Millionen Mitarbeitern aus der ganzen Welt und der Umfrage "Organizational Climate Survey" unter 57.600 Teilnehmern.

Auch die Annahme, Führungskräfte sollten unterschiedliche Führungsstile für die unterschiedlichen Generationen anwenden, bestätigen die Daten der Hay Group nicht. Es lassen sich zwar bestimmte Muster in den Erfahrungen und Erwartungen der verschiedenen Altersgruppen erkennen, nicht jedoch bei der Frage, was diese von ihren Führungskräften erwarten. "Für Unternehmen ist es wichtiger, ein offenes Umfeld zu schaffen. Denn erst wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, in ihrem Arbeitsumfeld offen über ihre Bedürfnisse sprechen zu können, fühlen sie sich geschätzt", fasst Träm zusammen.
 

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