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Freischwimmen für den Job
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Chef sein

Freischwimmer für die Führungsposition

Katrin Terpitz | Mitarbeit: Martin Wocher
Vom Vorstand zum Vorstandschef ist es ein gewaltiger Sprung. Doch die wenigsten Firmenlenker in spe bekommen Starthilfe.
 Jetzt sitzt er wieder im Büro. Sechs Wochen lang hatte Timotheus Höttges, der künftige Chef der Deutschen Telekom, seinen Vorstandssessel in Bonn mit dem Campus der Stanford University in Kalifornien getauscht.

Bei einem Sommerkurs für Topmanager holte sich der Finanzvorstand, der bald René Obermann ablöst, den letzten Schliff für seine neue Rolle als Konzernlenker.

"Auch Chefs müssen immer weiter lernen", schrieb Höttges im firmeninternen Blog.

Sport und Spieletheorien

Der Stundenplan in Stanford ist straff: "Die Tage beginnen mit Sport um 6 Uhr morgens und dann ist bis abends um 22 Uhr durchgehend Programm", schreibt Höttges seinen Kollegen.

"Ganz schön stressig! Seit Sonntagabend diskutieren wir mit Professoren und Managern aus 42 Ländern Unternehmensstrategien weltweit agierender Unternehmen."

Auf der Agenda: Grundsätze der Unternehmensführung, Spieltheorien im Wettbewerb, Mikroökonomie, aber vor allem Strategie. "Eines weiß ich jetzt schon: für meine zukünftige Strategiearbeit wird mir das hier enorm helfen", ist der Vorstandsvorsitzende in spe überzeugt.

Sprung ins kalte Wasser

Höttges intensives Chef-Training ist die Ausnahme. Allenfalls in Familienunternehmen werden Nachfolger gezielt vorbereitet.

"Die meisten neuen Vorstandschefs aber werden von ihrem Unternehmen ins kalte Wasser geworfen", beobachtet Manager-Coach Wolfgang Walter, Partner der Personalberatung Heidrick Struggles.

Noch nicht einmal jeder dritte Topmanager wird gezielt auf seine neue Rolle vorbereitet. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Personalberatung Egon Zehnder International unter 500 Spitzenkräften weltweit. "Dabei ist der Schritt vom Vorstand zum Vorstandschef gewaltig", betont Walter.

 

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