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Chance Familienunternehmen

"Digitalisierung kann keiner mehr hören"

ked, wiwo.de
Fünf Faktoren entscheiden über den Erfolg von Familienunternehmen. Die digitale Strategie gehört nicht dazu – wohl aber die Kultur. Die Digitalisierung verschärft allerdings den Generationenkonflikt in Betrieben.
Ein erfolgreiches Unternehmen braucht eine umfassende Digitalstrategie. Das glauben zumindest viele junge Deutsche, die in Zukunft das elterliche Familienunternehmen führen sollen. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat 137 dieser potentiellen Nachfolger gefragt, wie sie über die Zukunft ihres Familienunternehmens denken. 75 Prozent davon sagten: "Ohne Digitalstrategie wird das nichts", wie aus der Studie "Same passion, different paths" zeigt. Die Eltern, die den Betrieb derzeit noch leiten, seien dagegen eher skeptisch, was die Pläne ihrer Kinder angeht. "Digitalisierung kann doch keiner mehr hören"

Bereitschaft zum Wandel als Erfolgsfaktor

Michael Bednar-Brandt, der bei dem amerikanischen Softwarehersteller Oracle für die Digitale Transformation in Europa und dem Nahen Osten zuständig ist, macht in seiner Arbeit eine abweichende Erfahrung. "Digitalisierung kann keiner mehr hören", sagt er. "Worum es jetzt geht, ist machen." Und das sei in den Unternehmen – unabhängig von der Generation – auch angekommen. Auch wenn es nach wie vor mehr Fragen als Antworten gebe. "Die Unternehmen haben in der Regel ganz viele, iterative Ideen, sie kämpfen nur mit der Umsetzung", sagt er. Und genau das führe häufig zu Frust, heißt es bei PwC. "Während die junge Generation darauf brennt, ihre Ideen schnell umzusetzen, ist die ältere Generation zögerlich", so Peter Bartels, Mitglied der Geschäftsführung bei PwC und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Er hat allerdings auch untersucht, welche Faktoren letztlich den Fortbestand eines Familienunternehmens sichern – und von Digitalisierung an sich ist dabei nicht die Rede. Wohl aber von Kommunikation zwischen den Generationen und der Kultur. Dürfen die Nachfolger etwas ausprobieren oder sind sie nur Handlanger des Firmenpatriarchen? Gibt es eine strategische Ausrichtung mit eindeutigen Rollen und Verantwortlichkeiten? Der Junior kümmert sich um Marketing, der Senior um Vertrieb? Können die Nachfolger zeigen, dass sie mehr sind, als das Kind des Chefs? Und verpflichten sich beide Seiten, langfristig in die Zusammenarbeit zu investieren? Ein weiterer Erfolgsfaktor ist laut Bartels die Bereitschaft zum Wandel: "Die Nachfolge kann nur dann erfolgreich sein", so der Experte für Familienunternehmen, "wenn beide Generationen zur ständigen Anpassung ihres Unternehmens bereit sind."

Zukünftige Märkte erkennen

Erst dann komme die Ausrichtung oder Umsetzung der Digitalstrategie in Spiel, bei der sich der Veränderungswille der Jungen sowie die Erfahrung und das Risikobewusstsein der Älteren hervorragend ergänzen, wie er sagt. Jedenfalls wenn beide Seiten bereit sind, dem anderen zuzuhören und auf ihn zu hören – womit wir bei dem Erfolgsfaktor Kommunikation wären. Die schließlich auch wichtig ist, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. "Allein im Bereich Connected Car gibt es drei Bereiche, aus denen sich neue Geschäftsfelder ableiten lassen", sagt Bednar-Brandt. "Sie können Problemstellungen erfassen, bevor sie akut werden, das Auto meldet also einen Werkstattbesuch an, bevor etwas kaputt geht." Das sei das Naheliegende.

Alle anderen möglichen Geschäftsmodelle erfordern etwas mehr Phantasie – und gemeinsames Rumspinnen mit Junior, Senior, Forschung und Entwicklung und den Kunden. Bednar-Brandt gibt mögliche Beispiele: "Wenn das Auto sich dann einmal selbst steuert, können Sie darin etwa Unterhaltungsmedien verkaufen. Das ist Bereich zwei, die zukünftige Nutzung voraussehen. Der dritte Bereich sind ganz neue Märkte, vielleicht verdient ihr Auto ja etwas dazu während Sie im Büro sitzen, statt nur am Parkplatz herum zu stehen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2017
 

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