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Private Equity hatte noch vor einigen Jahren einen ziemlich miesen Ruf
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Private Equity

Die dunkle Seite der Finanzinvestoren

Kerstin Dämon, wiwo.de
Finanzinvestoren kaufen in Deutschland so viel wie nie. Was für Start-ups hilfreich ist, kann etablierten Unternehmen schaden. Die Fristads Kansas Group etwa hat Jahre gebraucht, sich von ihren Investoren frei zu strampeln.
Beteiligungsgesellschaften geben in Deutschland so viel Geld für Unternehmenskäufe aus wie noch nie. In diesem Jahr dürften nach Erhebungen des Branchenverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) deutsche Unternehmen für mehr als zehn Milliarden Euro an Finanzinvestoren gehen. "Wir erwarten ein Rekordjahr", bestätigt BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs.

In den ersten sechs Monaten haben sie mit fast 7,3 Milliarden Euro mehr Eigenkapital in Deutschland investiert als im ganzen Jahr 2016. Kredite, mit denen die Investoren einen großen Teil der Käufe finanzieren, sind dabei noch gar nicht eingerechnet. "Wir glauben, dass wir im zweiten Halbjahr die Grenze von zehn Milliarden Euro reißen werden."

Kapitalismus von seiner schlechtesten Seite

Private Equity hatte noch vor einigen Jahren einen ziemlich miesen Ruf. "Heuschrecken" wurden die Investoren genannt. Skrupellose Unternehmen, die andere aufkaufen, auspressen und weiterverkaufen, wenn sie die hochtrabenden Renditeziele nicht oder nicht mehr erfüllen können. Kapitalismus von seiner schlechtesten Seite eben. Mit der Entwicklung der Start-up-Szene weltweit hat sich das Image gebessert: Junge Unternehmen mit guten Ideen brauchen eben Geld, um zu wachsen – und häufig reichen die Reserven der Gründer dafür eben nicht aus. Also müssen externe Geldgeber her. "Wir haben ein starkes Investitionsplus bei den großen Buy-outs und bei Venture Capital", sagte Hinrichs. Letzteres fließt mehrheitlich in die jungen Unternehmen.

Wer viel Geld in ein Unternehmen investiert, erwartet natürlich einen Return on Investment und entscheidet deshalb oft bei der Strategie mit. Was bei einem Start-up, das vielleicht noch gar keine Strategie, sondern nur eine Idee hat, hilfreich sein kann, kann etablierten Unternehmen Probleme bereiten. Zumindest kann es länger dauern, bis sich ein Unternehmen von den Strategie-Entscheidungen seiner Investoren wieder befreit hat. Das hat die schwedisch-dänische Fristads Kansas Group am eigenen Leib erfahren.

Neue Investoren, neue Arbeitsweise

Der Hersteller von Berufsbekleidung hat eine recht bewegte Geschichte mit diversen Namenswechseln, Verkäufen und Übernahmen hinter sich, von denen sich das Unternehmen nunmehr seit zwei Jahren erholt. "Seit 1999 war das Unternehmen im Besitz von Private Equity-Firmen. In dieser Zeit lag der Fokus stark auf Synergien, weniger auf den Kunden und der Marke", sagt Anders Davidsson, CEO des Unternehmens. "Seit 2015 gehören wir wieder privaten Investoren und seitdem hat sich viel verändert: wir haben jetzt eine ganz klare Kundenorientierung, eine Perspektive", sagt er.

Nicht nur die Strategie habe sich seitdem geändert, auch die Arbeitsweise sei nun eine ganz andere. Das liege vor allem an den deutlich schlankeren Strukturen, die seit 2015 herrschen, wie Europachef Christian Peipers sagt, der bereits seit 2001 im Unternehmen ist. Die Mitarbeiter hätten nun mehr Eigenverantwortung, die Länderniederlassungen seien dezentral strukturiert, die Hierarchien flacher. Chef Davidsson will weniger Reportings und weniger Powerpoint-Folien. Mit Erfolg, wie er sagt. "Bei den Mitarbeitern spüre ich deutlich mehr Energie und Enthusiasmus – da hat sich in den vergangenen drei Jahren, die ich im Unternehmen bin, einiges zum Guten verändert", sagt er.

Auch für umfangreiche Nachhaltigkeitsprogramme ist Zeit und Geld da, seit dem das Unternehmen wieder in privater Hand ist. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Vergangenheit ist laut Davidsson vor allem die: Groß sein ist nicht wichtiger als flexibel zu sein. "Wir sind jetzt freier, aber auch fokussierter auf den Kunden", ergänzt Peipers. Ohne eine gute Zusammenarbeit mit dem funktioniere es nicht. "Unsere Kunden nehmen uns direkt in die Pflicht. Wenn ein Mitarbeiter sich beschwert, dass das Lager leer ist oder seine Jacke nicht wasserabweisend, steht der Einkäufer bei uns auf der Matte."

Wachstum ohne Stress

Nachdem nun die Strategie umgestellt ist, soll die Neuausrichtung auch nach Außen für alle sichtbar werden. "Jetzt positionieren wir noch die Marke neu, um unsere einzelnen Marken größer und profitabler zu machen – allerdings über einen längeren Zeitraum", sagt Davidsson. Ab 2018 soll die Arbeitskleidung in Deutschland und Dänemark unter dem dort gängigen Label "Kansas" vertrieben werden. In Schweden, Österreich, Finnland, Polen, den Benelux-Ländern und der Schweiz werde Kleidung unter dem Label "Fristads" vertrieben, was dort Synonym für Arbeitskleidung stehe.

Bis die neuen Labels auf allen Klamotten prangen und sich das Sortiment beider Marken deutlicher unterscheide, werde es vermutlich ein, zwei Jahre dauern, schätzt Peipers. Schließlich müssten zunächst die Bestände abverkauft werden. "Wir haben da keinen Stress", so Davidsson.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2017
 

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