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Das Ende der Firmen-Diktatur
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Anarchie

Die Befreiung der Arbeit

von Ferdinand Knauß, wiwo.de
Vertreter einer neuen Wirtschaftskultur verzichten auf herkömmliche Hierarchien, stattdessen ist Augenhöhe angesagt. Klingt theoretisch gut – ist praktisch aber schwieriger als gedacht.
So ähnlich könnte es auch 1968 in der "Kommune 1" in West-Berlin zugegangen sein. Wenn sich das selbst erklärte "Kollektiv" von Premium-Cola trifft, hat das mit einem Meeting in anderen Unternehmen nicht viel gemeinsam.

Premium-Kollektiv

Da sitzen nicht mehr ganz junge, aber noch nicht gealterte Menschen mit Ringen in Ohren und Nasen beisammen. Sie debattieren im gleichzeitig lockeren und gestelzten Ton (ehemaliger) Studenten der Sozial- oder Geisteswissenschaften: "Das hat nicht den Charakter, dass man von einer gemeinsame Basis ausgehen kann.“"

Es geht um die Frage, ob nicht doch ein ganz klein wenig Werbung für die eigene Cola angebracht sei. Nachdem ein anderer Kollektivist entgegnet, das "Coole" an Premium-Cola sei doch gerade, dass es sich von "kapitalistischen Unternehmen" unterscheide, und die Mehrheit dieser Ansicht zu sein scheint, nimmt jener sein Veto zurück. Die Entscheidung fällt einstimmig: keine Werbung.

Korrekte Arbeit

Sieht so die Zukunft der Arbeit in Unternehmen aus? Findet die antiautoritäre Revolution nun in den Unternehmen selbst statt? Werden wir demnächst in freiwilliger Kooperation und basisdemokratisch wirtschaften?

Die Kollektivisten von Premium-Cola haben sich im immer anspruchsvolleren Markt für alkoholfreie Getränke in der "korrekten" Nische etabliert. Und das ohne fast alles, was eine Firma bislang auszumachen schien. Keine festen Angestellten, keine schriftlichen Verträge und vor allem: kein Chef.

Bloß kein Stress

Stattdessen gibt es einen "zentralen Moderator" namens Uwe Lübbermann, der von Afri-Cola als Kunde enttäuscht war und darum mit Gleichgesinnten seine eigene Cola erfand. "Sobald wir zu jemandem irgendeine Verbindung haben, ist er für uns ein Interner und hat das Recht mitzureden", sagt Lübbermann.

Was sein Kollektiv nicht will, ist Stress. Deswegen setzen sie dem eigenen Wachstum freiwillig Grenzen. Es soll kein Wachstum um jeden Preis geben. Daher nimmt Premium-Cola keine Kredite auf, es gibt kein erklärtes Wachstumsziel.
 

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