Weniger Kommerz, mehr Leidenschaft: Bernd von Geldern will daraus ein Geschäft machen. Seine Firma Do You Football rüstet Fußballclubs mit individuellen Trikots aus und halbiert den Ladenpreis für die begeisterten Fans. Fehlen nur noch passende Partner.
Er könnte jetzt ein bisschen lügen, vielleicht müsste er es sogar. Auffallen würde es jedenfalls nicht. Die Frage ist nebensächlich, fast banal, im Grunde war es albern, sie zu stellen. Herr von Geldern, tragen Sie Ihre Trikots eigentlich auch privat?Bernd von Geldern legt den Kopf zur Seite, sein Blick wandert nach unten. Er lächelt. Er weiß, dass er noch mal für seine Waren werben könnte, für den individuellen Schnitt, das atmungsaktive Material, die kleinen Preise, die er dafür verlangt. Und dass sich dann anfügen ließe, aber natürlich, immer mittwochs, wenn er mit seiner Alt-Herren-Mannschaft auf dem Asche-Platz von HEBC in Hamburg-Eimsbüttel trainiere, dann ziehe er sich nichts lieber über als eines dieser Trikots. All das könnte er jetzt in blumigen Sätzen erzählen, und er würde dabei vermutlich sehr überzeugend wirken. Zehn Jahre hat er als Sportreporter fürs Radio gearbeitet. Wie man mit Worten umgeht, weiß er genau.Stattdessen aber sagt er: "Ich trage Trikots nicht besonders gerne. Sie passen nicht zu mir." Das Bekenntnis kommt überraschend. Bernd von Geldern ist Geschäftsführer der Do You Football GmbH. Sein Geschäftsmodell sieht vor, Fußballmannschaften auszurüsten und das Geld über den Fan-Verkauf wieder reinzuholen. Die Zweitligisten FC St. Pauli und FC Augsburg und ein paar ausländische Vereine hat er bereits unter Vertrag. Von deren Trikots möchte er nun möglichst viele absetzen. Und weil die Konkurrenz groß und der Markt übersättigt ist, könnte man meinen, dass es nicht schaden würde, wenn der Chef seine Produkte mit etwas mehr persönlichem Einsatz vermarktet.Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn Bernd von Geldern will auch eine Marke aufbauen. Ehrlich und glaubwürdig soll sie sein, und eine Haltung haben soll sie auch. Das ist ihm wichtig. Deswegen sagt er: "Uns muss nicht jeder kennen. Wir wollen nicht jeden potenziellen Käufer ansprechen und nicht jeden Verein ausrüsten." Und deshalb gibt er auch zu, ungern Trikots zu tragen. An Leidenschaft fürs Produkt mangelt es ihm deswegen nicht. Bei ihm zu Hause hängen zwölf von Spielern getragene Originale an der Wand, gerahmt wie Gemälde, darunter Sammlerstücke wie ein Ailton-Trikot ohne Sponsorenaufdruck.Bernd von Geldern, 41, groß gewachsen, zupackend, weiche Gesichtszüge, sitzt an diesem trüben Sommertag am Konferenztisch im zweiten Stock. Seine beiden Handys liegen auf dem Stuhl neben ihm, eins davon klingelt immer wieder. "Wahrscheinlich Leute, die Karten haben wollen. Am Abend startet die neue Saison, St. Pauli ist aufgestiegen und spielt erstmals seit vier Jahren wieder in der Zweiten Bundesliga. Tickets fürs Millerntorstadion gibt es seit Wochen nicht mehr. Er erzählt. Von seiner Begeisterung für den Fußball, dass er schon als Kind im "Kicker" las und Tabellenstände auswendig lernte, dass er es als Fußballer mit ein wenig mehr Ehrgeiz vielleicht in die Zweite Bundesliga geschafft hätte.Und von der Initialzündung, hier, beim Textillieferanten Miles in Norderstedt, nördlich von Hamburg, Do You Football zu gründen.Damals, kurz vor der Europameisterschaft 2004 in Portugal, bot der Deutsche Fußballbund Miles an, ein Retro-Trikot von 1954 aufzulegen. Für den Bekleidungshersteller kam die Offerte unerwartet. Seit Jahrzehnten schon rüstet Adidas den DFB exklusiv aus. Miles aber ließ sich die Chance nicht entgehen, produzierte das Hemd mit dem Bundesadler, legte es bei Aldi für 9,99 Euro ins Regal - und verkaufte 300 000 Exemplare. Hauslieferant Adidas intervenierte sofort, es blieb bei der einmaligen Aktion.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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