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Bürokratie im Mittelstand
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Bürokratie ist im Mittelstand ein Jobkiller

Kerstin Dämon, wiwo.de
Mehr als jeder dritte Mittelständler hat Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter einzustellen. Schuld sind aber nicht nur fehlende oder ungeeignete Kandidaten, sondern die Bürokratie. Der Mindestlohn macht es noch schlimmer.
Der Mittelstand ächzt unter der Bürokratie. Während sich große Konzerne ganze Abteilungen halten können, die sich um die Erfüllung von Richtlinien kümmern und eifrig dokumentieren, wie viele Büroklammern verbraucht wurden und wie groß die Abstände zwischen den Schreibtischen der Mitarbeiter sind, macht in mittelständischen Unternehmen häufig der Chef den Papierkram selbst. Da müssen die Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern (GoBD) beachtet und selbstverständlich dokumentiert werden. Dann müssen beispielsweise Handwerksbetriebe Buch darüber führen, wie viele Kilometer sie verfahren. Geregelt wird das in der Tachographen-Verordnung der EU. Und natürlich ändern sich ab bestimmten Mitarbeiterzahlen die Anforderungen an das Unternehmen. Seit Kurzem kommen das Elterngeld Plus und der Mindestlohn nebst Dokumentationspflicht noch hinzu.

Mit Mitarbeiterzahl wächst der Aufwand

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat außerdem nachgewiesen, dass die Bürokratiebelastung schlimmer wird, je mehr Mitarbeiter ein Betrieb einstellt. Denn für die kleine Klitsche gelten selbstverständlich andere Regeln als für den Global Player. "Die Vermutung liegt nahe, dass ab dem zehnten Mitarbeiter mehr Auflagen zu beachten sind, aber die kleinen Firmen im Vergleich noch nicht genügend Personal haben, um diese Maßnahmen auch umzusetzen", sagt Peter Dewald, Geschäftsführer der Sage Software GmbH. Das Unternehmen Sage hat zusammen mit dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn die Belastungen des Mittelstandes durch die Bürokratiewut untersucht.

Hohe Belastung wird zum "Jobkiller"

Das Ergebnis: 92 Prozent der befragten Geschäftsführer empfanden sie Belastung als "hoch" oder "sehr hoch". Und: Mehr als jedes dritte Unternehmen nennt die Bürokratie ein schwerwiegendes Hindernis für Neueinstellungen. 37 Prozent sagen, dass ihnen Regeln und Verordnungen das Einstellen neuer Leute erschweren. "Wenn rund jeder dritte Unternehmer angibt, dass er sich durch Bürokratie und staatliche Regulierung an der Einstellung neuer Mitarbeiter gehindert fühle, dann ist die deutsche Gesetzgebung ein wahrer Jobkiller", so Dewald.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2015
 

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