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Alleinerziehende Väter

Zwischen Universität und Kindergarten

Almut Steinecke
Wilde Partys unter der Woche gibt es nicht mehr, stattdessen stehen Kindergarten und Spielplatz auf dem Programm. Wenn Studenten Väter werden, ist das ein Frühstart in die Verantwortung. Für Alleinerziehende gibt's eine Extraportion Aufmerksamkeit dazu.
Sven Rüter ist alleinerziehender Vater und StudentFoto: © E.Bloedt
"Das sind ja deine Socken! Wie kommen die denn da rein?!" Zoe greift in ihr Wäschefach, in das eigentlich nur bunte Wollstrumpfhosen hinein gehören, und zieht ein paar weiße Socken hervor. Fragend hält sie den Fund ihrem Vater hin. Sven Rüter sitzt in ihrem Zimmer und runzelt die Stirn. "Stimmt, die habe ich schon gesucht." Anerkennend nickt er ihr zu. Zoe ist vier Jahre alt und lebt mit dem 25-jährigen Psychologiestudenten zusammen in einer Dachgeschosswohnung in Bochum. Und zwar nur mit ihm."Ein alleinerziehender Vater ist ein Exot, und als solcher wird er in der Gesellschaft auch wahrgenommen", sagt Peggi Liebisch, Geschäftsführerin des Verbands Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in Deutschland. Sie hätten den Sympathiebonus: "Single-Väter sind die Helden, Single-Mütter sind die Verliererinnen." Sie würden bedauert und ausgegrenzt und hätten in den Augen anderer oft Schuld an ihrer Lage. "Mir erscheint es ähnlich zu sein, wie mit den Profi-Köchen: Wenn eine Frau den Kochlöffel schwingt, ist das nichts Besonderes, als würde sie das eh jeden Tag tun. Aber Männer machen eine große Show daraus."

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Im Moment stiehlt Zoe ihrem Vater die Show: Sie wirbelt durch ihr buntes Kinderzimmer, Sven Rüter beobachtet sie liebevoll. Es ist Sonntag, 15 Uhr, durch das Fenster fällt die Sonne. Vor einigen Minuten ist Zoe aus ihrem Mittagsschlaf erwacht und sucht gerade eine neue Strumpfhose in ihrem Schrank. Die blonden langen Haare sind zu kleinen Zöpfen geflochten, sie stehen leicht verstrubbelt von ihrem Kopf ab, ihre Wangen sind gerötet, sie wirkt noch etwas müde. Ihre Augen aber blitzen schon freudig und munter - schließlich geht sie gleich mit Papa zu Oma und Opa: zum Kuchenessen und Kakaotrinken.Seine Eltern, Theresita Miranda-Rüter, 59, und Alfons Rüter, 58, sind eine große Hilfe für ihren Sohn, der schon früh Vater wurde. 2005 war das, als er noch mit Nina Mittmann (Name von der Redaktion geändert) zusammen war. Sie war damals 19, hatte gerade ihre Schule beendet. Ein Kind zu bekommen war nicht geplant, trotzdem ist es passiert, irgendwie. Die Schwangerschaft stürzte die beiden ins Gefühlschaos. Sie waren überfordert, trennten sich, fanden kurz darauf wieder zusammen. Ließen sich ein auf die neue Situation. Eltern werden. Vater werden. Sven denkt zurück. An den Schock, der ihn ganz lange im Griff hielt, aber auch an die Freude: "Ich bin ein Familienmensch, wollte immer eigene Kinder. So ganz früh eigentlich noch nicht, aber es war dann so."Jugendämter konzentrieren sich mehr auf die Mütter360000 Väter erziehen in Deutschland ihre Kinder allein, 30000 von ihnen haben einen Hochschulabschluss, 5000 sogar einen Doktortitel. "Sie werden kaum wahrgenommen", sagt Aline Garz, Gründerin und Betreiberin des Informationsportals Studentenkind.de. Jugendämter hätten den Ruf, auf Mütter fixiert zu sein, nicht umsonst hieße es ja auch scherzhaft "Mütteramt". Schneller als bei Solo-Müttern würde dort die Frage gestellt: "Wie kam es denn dazu?"Sven Rüter und Nina Mittmann trennten sich endgültig, als Zoe zwei Jahre alt wurde. Rüter hatte sein Psychologiestudium an der Ruhr-Universität Bochum von Beginn an nach seiner Tochter ausgerichtet. Er konzentrierte sich auf die Vormittagskurse, um die Nachmittage frei zu haben für Zoe - als hätte er schon damals instinktiv gespürt, dass er eines Tages allein für sie sorgen würde. Mittmann wollte nach der Trennung eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen. Das war mit Schichtdienst verbunden und wäre mit Zoe nicht gegangen. "Da habe ich gesagt, okay, ich kann unsere Kleine nehmen, wenn du willst", sagt Rüter. Also zog seine Freundin aus.
 

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