Studienplatz

Zentrale Studienplatzvergabe in der Kritik

Andrea Auler / wiwo.de
Daneben gibt es in der Wissenschaft durchaus Befürworter einer zentralen Vergabe von Studienplätzen. Johannes Schneider etwa, Experte für rechnergestützte Forschung an der Uni Mainz, hat Bewerbungen über die ZVS mit Direktbewerbungen an den Hochschulen verglichen. Ergebnis: Bekommt ein Interessent von mehreren Unis das Ja-Wort, sei eine zentrale Institution schneller in der Lage, nicht in Anspruch genommene Plätze weiterzuvergeben. Doch muss das der Staat machen? „Das kann ohne Weiteres auch ein privater Dienstleister übernehmen“, sagt Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin.Zudem glauben viele Ökonomen nicht an die versprochenen Effizienzgewinne. „Durch die Studiengebühren und gesonderten Auswahlverfahren liegt ein großer Teil der Bürokratie mittlerweile bei den Hochschulen“, weiß Ludger Wößmann, Bildungsökonom am Münchner ifo Institut. Eine zusätzliche staatliche Koordinierung sei daher völlig überflüssig.Warnung vor QualitätsverlustJustus Haucap, Chef der Monopolkommission, warnt sogar vor Qualitätsverlusten. In den vergangenen Jahren sei zwischen den Unis ein Wettbewerb um die besten Köpfe entstanden. Der würde durch weitere staatliche Einflussnahme ausgehebelt. „Die Unis hätten keinen Grund mehr, sich um ihre Studenten zu bemühen“, sagt Haucap und vergleicht die Wahl der Uni mit der Suche nach einem Job. „Da käme auch niemand auf die Idee, das zentral über die Arbeitsagenturen zu steuern.“Trotz fragwürdigen Nutzens: Dass die Politik die Stiftung abschafft und die Studienplatzvergabe komplett den Unis überträgt, gilt als unwahrscheinlich. Wößmann: „Im öffentlichen Bereich werden Institutionen nicht abgeschafft – sondern bekommen neue Aufgaben.“
Dieser Artikel ist erschienen am 25.08.2010

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