Studienplatz

Zentrale Studienplatzvergabe in der Kritik

Andrea Auler / wiwo.de
Immer mehr Professoren und Wissenschaftler sprechen sich gegen die zentrale Vergabe von Studienplätzen über die ZVS aus. Diese wurde jedoch unlängst mit neuen Aufgaben betreut. Dabei wäre es besser, der Staat würde die Finger von der Studienplatzvergabe lassen.
Experten fordern eine gerechtere StudienplatzvergabeFoto: © Focus - Fotolia.com
Bernhard Kempen ist sauer. Der Professor für Völkerrecht an der Universität Köln und Präsident des Hochschulverbandes erlebt jedes Semester aufs Neue, welche Folgen die Vergabepraxis bei der Hochschulzulassung hat: Studienplätze bleiben unbesetzt, obwohl es genug Bewerber gibt. Doch nicht alle angehenden Studenten erhalten pünktlich zum Semesterstart ihren Wunschplatz. Und bis sie ein oft wochenlanges Nachrückverfahren durchgehalten haben, ist die Hälfte des Semesters bereits vorbei. „Wie soll ich diese Studierenden dann noch vernünftig in die ersten Klausuren führen?“, fragt Kempen.
Die vermeintlich Schuldige für das halbjährlich wiederkehrende Chaos ist schnell gefunden: die Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund, die Nachfolgeorganisation der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Über sie läuft die Platzanweisung in bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin und Pharmazie, aber teilweise auch in Disziplinen, für die es nur an einigen Unis Bewerbergrenzen gibt.Die Kritik an der zentralen Zuteilung ist so alt wie die Institution selbst. Die ZVS entstand 1973 als Reaktion auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Da die Studentenzahlen in den Sechzigerjahren rapide anstiegen, begrenzten viele Hochschulen den Zugang über die Abi-Note, den Numerus clausus. Dies sei verfassungswidrig, weil es an Chancengleichheit fehle, urteilte Karlsruhe. Die Zentralstelle sollte die Vergabe gerechter machen.Der Weg ist holprigWie viel Chancengleichheit aber kann eine Organisation liefern, die gerade mal knapp zwei Prozent der Studienfächer verwaltet? Und geht es nicht etwas billiger? Die Bundesländer lassen sich die Stiftung und ihre 111 Mitarbeiter immerhin rund zehn Millionen Euro im Jahr kosten. Und nun soll die Aufgabe sogar wachsen, eine Reform der alten ZVS zu einer neuen Daseinsberechtigung verhelfen.2008 einigten sich die Länder darauf, die ZVS in eine Stiftung umzuwandeln und sie in einem zweiten Schritt zur „Serviceagentur“ zu machen, die künftig alle Studienplätze verteilt. Die Idee: Die Hochschulen melden freiwillig ihre freien Plätze, die Stiftung schickt die Bewerber. Doch der Weg zum modernen Dienstleister ist holprig. Die neue Software, die das Vergabeverfahren effizienter machen soll, gibt es erst zum Wintersemester 2011/12. Zwar können die Unis den Service schon testen, darauf verzichten die meisten aber lieber.(Artikel zuerst erschienen bei WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

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