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Universität

Wirtschaftsprüfer: Künftig schneller zum Examen

Diana Fröhlich
Bisher glich die deutsche Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer einem Marathon mit Hürden. Neue Bachelor- und Master-Studiengänge bieten jetzt Alternativen - sehr zur Freude der Studenten. Und der Wirtschaftsprüfgesellschaften, denen Nachwuchs fehlt.
Wirtschaftsprüfer: Weniger Hürden für jungen NachwuchsFoto: © Nicholas Moore - Fotolia.com
Wenn Dorothee Böckeler in zwei Jahren ihr Examen in der Hand hält, wird sie wohl eine der jüngsten Wirtschaftsprüferinnen in Deutschland sein. Läuft alles nach Plan, hat die Diplom-Kauffrau aus Paderborn mit 29 Jahren nicht nur die schwierige Prüfung erfolgreich hinter sich gebracht, sondern wurde auch schon offiziell zur Wirtschaftsprüferin bestellt. Damit wäre Böckeler rund fünf bis sechs Jahre früher dran als der Durchschnitt - inklusive mehrjähriger Erfahrung als Prüfungsassistentin in einer Wirtschaftsprüfgesellschaft. Die Verjüngungskur möglich machen die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse, die auch angehenden Wirtschaftsprüfern in Deutschland neue - attraktivere - Ausbildungswege eröffnen und sie damit in Zukunft international konkurrenzfähiger machen werden.Bislang glich die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer einem Marathon mit Hürden, bei dem viele auf der Strecke blieben: betriebswirtschaftliches Studium, mindestens drei Jahre Assistenztätigkeit in einer Wirtschaftsprüfgesellschaft, kostspieliges Repetitorium und die monatelange Vorbereitung auf sieben Examensklausuren und eine mündliche Prüfung. Die Hälfte derer, die in den vergangenen Jahren zumindest bis zum Zieleinlauf durchgehalten hatten, scheiterten am Ende doch: Nach Angaben der Wirtschaftsprüferkammer haben in der Zeit von 2004 bis 2007 nur 49,7 Prozent aller 3798 angetretenen Kandidaten das Examen zum Wirtschaftsprüfer bestanden.

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Das Manko der Erfolgreichen: Sie waren zu diesem Zeitpunkt meist schon 35 Jahre oder sogar noch älter. Woran das bisher lag? "Angesichts der doch sehr langwierigen Ausbildung ist es für mich zumindest nachvollziehbar, wenn die Kandidaten ihr persönliches berufliches Ziel schon mal aus den Augen verlieren", sagt Manfred Zastrow, Partner bei der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG. Denn gerade bei Berufsanfängern scheint das Examen noch in weiter Ferne, einen fixen Termin gibt es nicht. Eine hohe Arbeitsbelastung oder auch eine Familiengründung machen es den Kandidaten nicht leicht, rechtzeitig mit der Examensvorbereitung zu beginnen.Junge Akademiker besonders gefragtZudem war und ist gerade bei den großen Wirtschaftsprüfgesellschaften in Deutschland - Ernst & Young, PricewaterhouseCoopers, KPMG und Deloitte - der Weg durch die Hierarchien für Einsteiger schier unüberwindbar. Denn nach bestandenem Examen gibt es zwar mehr Geld als vorher, doch nicht unbedingt mehr Führungsverantwortung im Unternehmen. Doch gerade diese Gesellschaften haben ein großes Interesse daran, dass mehr und mehr Kandidaten nicht nur das Examen bestehen, sondern dabei auch noch jünger sind als bisher. Denn sie suchen nach qualifiziertem Nachwuchs. KPMG beispielsweise hat allein in den beiden vergangenen Geschäftsjahren in Deutschland fast 3000 neue Mitarbeiter eingestellt, und auch für 2008 sind weitere Neueinstellungen geplant. Und damit ist das Unternehmen nicht allein: Eine Studie der Jobbörse "Careers in Audit" aus dem Jahr 2006 unter Entscheidern aus der Wirtschaftsprüfungs-Branche machte deutlich, dass in den kommenden Jahren europaweit mit einem zusätzlichen Personalbedarf von 25 Prozent gerechnet wird, um die Einführung der neuen internationalen Rechnungslegungsvorschriften zu bewältigen.
Foto: © Junge Karriere
Deshalb befürworten nicht nur Studenten, sondern auch ihre potenziellen Arbeitgeber die neuen Ausbildungswege. Die neuen Bachelor- und Master-Programme machen es möglich, die langwierige Ausbildung künftig in sieben bis acht Jahren erfolgreich hinter sich zu bringen. Leichter wird es definitiv nicht - nur viel zielgerichteter. Denn neben dem klassischen Weg hin zum Wirtschaftsprüfer gibt es nun diese Wege, zwischen denen Studenten frei entscheiden können: Nach Paragraf 13b der Wirtschaftsprüferordnung schließen angehende Wirtschaftsprüfer ihren Bachelor mit den Schwerpunktfächern BWL, VWL und/oder Wirtschaftsrecht ab und sammeln danach vier Jahre lang praktische Erfahrungen als Prüfungsassistent. Anschließend legen die Kandidaten das Wirtschaftsprüfer-Examen ab. Der Vorteil bei diesem Ausbildungsweg: Einige Prüfungsleistungen aus dem Studium können angerechnet werden - das heißt, dass von den sieben Klausuren im Wirtschaftsprüfer-Examen bis zu drei wegfallen. Außerdem besteht die Möglichkeit, nach einem Bachelor-Studium einen Master mit den Schwerpunktfächern BWL, VWL und/oder Wirtschaftsrecht zu absolvieren. Auch hier können Prüfungsleistungen angerechnet werden. Nach dem verkürzten Examen folgt dann die Bestellung.Nach Paragraf 8a der Wirtschaftsprüferordnung dagegen starten angehende Wirtschaftsprüfer ihre Laufbahn nach einem Bachelor-Abschluss direkt bei einer Prüfgesellschaft. Nach mindestens einem Jahr Assistenzzeit belegen sie nach bestandener Aufnahmeprüfung den speziellen Master-Studiengang "Auditing" und machen anschließend das auf vier Klausuren verkürzte Examen. Was ihnen noch fehlt, sind zwei weitere Jahre als Prüfungsassistent - wer die nach dem Master nachholt, wird dann direkt zum Wirtschaftsprüfer bestellt.Doppelleben: Job und MasterstudiumDorothee Böckeler hat sich für das Master-Programm nach Paragraf 8a der Wirtschaftsprüferordnung entschieden. Zurzeit arbeitet sie drei Tage pro Woche als Prüfungsassistentin bei der Wirtschaftsprüf- und Steuerberatungsgesellschaft HDT Treuhand-GmbH in Osnabrück, den Rest der Woche inklusive Samstag macht sie an dem gemeinsamen Studiengang der Fachhochschulen Münster und Osnabrück ihren Master of Arts im Fach "Auditing, Finance and Taxation". Vor einem Jahr, zum Wintersemester 2006/07, starteten die beiden Fachhochschulen ihr Angebot, es ist die bundesweit erste Kooperation ihrer Art. Und andere Hochschulen folgen: Calw beispielsweise bietet - noch vorbehaltlich der erfolgreichen Akkreditierung - seit diesem Wintersemester ein entsprechendes Master-Programm an, die Uni Mannheim und die Hochschule Pforzheim beginnen im kommenden Jahr.
 

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