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Interview MBA in Berkeley

"Wir brauchen Menschen, die sich trauen anders zu denken"

Interview: Carola Sonnet
Der Trend zur digitalen Bildung hält auch Einzug beim MBA: Er wird nicht nur die Kostenstruktur verändern, sondern auch den Vollzeit-MBA in Frage stellen. Unabhängig davon werden neue Managertypen die Business-Schools verlassen: Weniger autoritär und arrogant sollen sie die Interessen der Gesellschaft über ihre eigenen stellen, erklärt Rich Lyons, Dekan der Wirtschaftsfakultät der Berkeley-Universität.

Foto: Andrey Kiselev/Fotolia.com

Herr Lyons, ist ein Managementstudium mit MBA-Abschluss sein Geld noch wert?

Ja. Bei uns bewerben sich immer noch mehr als zehn Kandidaten auf jeden Studienplatz. Die Kosten für die Ausbildung sind zwar stark gestiegen. Aber das, was ein MBA-Absolvent verdient, kann sich immer noch sehen lassen. Der Markt scheint also zu glauben, dass das Studium das Geld wert ist.

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Die Studiengebühren in den USA steigen schneller als die Inflation. Bleibt das auch in Zukunft so?

Dean Rich LyonsFoto: Haas School of Business
Die wichtigsten Business-Schools der Welt werden noch teurer werden – weil sie es sich leisten können, weil viele junge Leute bereit sind, viel zu investieren. Natürlich kann das nicht ewig so weitergehen.

Werden MBA-Studiengänge weltweit also immer teurer?

Nein. Zum einen gibt es einen Trend zur digitalen Bildung. Der wird die Kostenstruktur in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren grundlegend verändern. Für viele Hochschulen wird das ein Überlebenskampf.

Weil die Menschen über das Internet lernen, statt an der Uni?

Noch müssen die Studenten nah an der Uni leben, in die sie gehen. Weil aber die Übertragung digitaler Bildungsinhalte kostenlos ist und sie an fast jedem Ort der Welt erhältlich sind, werden die vielen kleinen Universitäten und Hochschulen entweder verschwinden oder fusionieren. Ein großer Teil der Hochschulen wird in zwanzig Jahren nicht mehr existieren.

VITA


Der Manager Rich Lyons ist ein Seitenwechsler: Bevor er Dekan der Wirtschaftsfakultät wurde – Haas School of Business genannt – leitete er die Abteilung Weiterbildung für die obersten Führungskräfte der Investmentbank Goldman Sachs in New York. Da der Finance-Professor an der Haas School aber zuvor schon tätig war, ist die Übernahme des Chefpostens 2008 eine Rückkehr. Die Universität Die staatliche kalifornische Berkeley-Universität zählt zu den renommiertesten Hochschulen der USA und wird in Rankings oft als eine der besten Hochschulen weltweit gelistet. 1868 gegründet hat sie heute rund 35.000 Studenten.



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