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Der Rektor der Leipziger Wirtschaftshochschule HHL über seine zweite Amtszeit, eine rote Null und ein neues Führungsmodell für Manager.
Foto: Manuel Schönfeld / fotolia.com
Interview

"Wir bilden keine Anthroposophen aus"

Teil 3: Was treibt Menschen und Unternehmen an?

Was genau wird sich ändern?

Es wird nicht nur eine neue Einführungsveranstaltung geben, die Pflicht für alle ist. Das neue Leadership-Konzept wird sich in allen Phasen und Modulen des Studiengangs widerspiegeln.

Klingt sehr vage.
 
Wir stellen es im Dezember vor und werden auf die vielen Veränderungen, die wir sehen, Antworten geben.

Welche Veränderungen?

Aus der Finanzkrise kristallisierte sich die Frage heraus, was Menschen und Unternehmen antreibt. Ist es die kurzfristige Gewinnmaximierung, oder gibt es andere Ziele, für die sich Unternehmen einsetzen? Die Vorstellungen der jungen Generation sowie die Digitalisierung stellen Führungskräfte vor völlig neue Herausforderungen.

Jede Business-School spricht heute von nachhaltiger Führung. Sind Konkurrenten nicht viel weiter?

Es geht uns nicht um Schlagworte, sondern um Inhalte und Methoden. Wir haben nachhaltige Führung schon früher gelehrt, es ist aber nicht mehr mit einzelnen Vorlesungen getan. Wir brauchen einen umfassenden Ansatz und die Bereitschaft, die Spannungsfelder zwischen den unterschiedlichen Perspektiven systematisch zu beleuchten und erfahrbar zu machen.

Ihr Ziel ist, dass die HHL bis 2023 zu den zehn besten Graduate Schools Europas zählt, gemessen am Ranking der "Financial Times". Das beruht zu einem großen Teil auf Gehaltsdaten der Absolventen. Konkurrenten, die stark auf Nachhaltigkeit setzen, findet man eher im Mittelfeld. Machen Sie sich Sorgen, dass auch die HHL dort landet?

Nein, denn dann müsste ich ja annehmen, dass die besonders Erfolgreichen – gemessen am Einkommen – weniger verantwortlich und weniger nachhaltig handeln.

Offenbar ziehen stark auf Nachhaltigkeit setzende Business-Schools nicht die Studenten an, die später in die bestbezahlten Branchen gehen.

Wir bilden keine Anthroposophen aus, Punkt. Aber wir glauben, dass Führungskräfte in Top-Positionen oder auch Jungunternehmer künftig nur dann erfolgreich sein werden, wenn sie eine Ausbildung erhalten, die sich von dem abhebt, was an Business-Schools lange Zeit allein im Vordergrund stand.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2016
 

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