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Wieviel weiß deine Uni über dich?

Lars Krupp
Immer mehr Hochschulen führen Online-Systeme ein. Die Portale vereinfachen den Alltag und verschlanken die Verwaltung. Allerdings verläuft die Umstellung nur selten reibungslos, und die Technik ist anfällig: An mehreren Unis waren die persönlichen Daten der Studenten nicht ausreichend geschützt.
Die Online-Verwaltung ist an vielen Hochschulen ein ChaosFoto: © Franz Pfluegl - Fotolia.de
Dicht an dicht stehen die rund 300 Studierenden im Philosophikum der Uni Köln. Bis zu zwei Stunden müssen sie warten, um sich für ihre Zwischenprüfung anzumelden. Wer durchhält, gelangt zu einem Mitarbeiter des Prüfungsamtes. Der trägt auf einer Karteikarte ein, in welchem Fach man sich prüfen lassen will. Danach wandert sie zurück in den Aktenschrank. Sind die Prüfungen abgelegt, wird das Ergebnis handschriftlich auf der Karte eingetragen und danach anonym am Schwarzen Brett ausgehängt. Langsam und gründlich - so könnte man die Verwaltung beschreiben. Das war einmal. Auf die langen Wartezeiten sollen die Kölner Studenten in Zukunft verzichten können: An ihrer Hochschule wird zurzeit das Kölner-Lehr-Informations- und Prüfungssystem (Klips) eingeführt. Über das Internet-Portal können sie die Vorlesungsverzeichnisse aller Fächer einsehen und sich für Prüfungen anmelden - und die Ergebnisse erhalten sie künftig ebenfalls online.Mit diesem System sollen nicht nur die Studenten entlastet werden, sondern auch die Verwaltung. "Wir wollen möglichst viele Aufgaben der Verwaltung über das Online-Portal regeln", sagt Christiane Büchter, die sich um die Einführung des digitalen Systems kümmert. Die neuen Online-Portale erleben an den Hochschulen gerade einen wahren Boom: Rund 50 Prozent der insgesamt 347 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland haben inzwischen ein digitales System eingeführt, schätzen Experten des Hochschul-Informations-Systems (HIS), das die Software für die meisten Unis bereitstellt. Doch nicht immer klappt die Umstellung reibungslos: "Durch die Einführung der Systeme verändern sich auch die Abläufe", sagt Sabine Fiedler vom HIS, "das verunsichert viele Studenten und macht sie unzufrieden."

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In Köln haben inzwischen alle der rund 40000 Studenten einen eigenen Benutzernamen und ein Passwort für das Portal erhalten. Noch aber herrscht Chaos, denn bislang kocht jede Fakultät und jedes Seminar ein eigenes Süppchen: "Um mich für meine Veranstaltungen anzumelden, muss ich drei verschiedene Webseiten besuchen", sagt Robert Meyer, der im fünften Semester Soziologie, Germanistik und Anglistik studiert. Drei Systeme bedeuten auch drei unterschiedliche Anmeldefristen für seine Veranstaltungen. "Dadurch wird die Erstellung des Stundenplans zu einer Herausforderung", sagt der 24-Jährige. Bis das einheitliche System umgesetzt ist, werden noch gut zwei Jahre vergehen, schätzt Christiane Büchter: "Das OnlineSystem muss so gestaltet werden, dass alle Studiengänge mit ihren unterschiedlichen Prüfungsordnungen integriert sind."
 

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