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MBA-Inhalte

Wichtige Neuorientierung über die Grenzen des Business hinaus

Axel Gloger
Wer Karriere machen will, muss mehr sein als ein guter Betriebswirt. Das dämmert auch den MBA-Anbietern. Sie experimentieren mit neuen Inhalten – und brechen das Monopol der BWL.
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Insead-Dekan Dipak Jain                                                    Foto: Privat

Konstrukteure des eigenen Untergangs

Dipak Jain hat ein seltenes Talent. Auch weniger Erbauliches vermittelt er so, dass es für einen Lacher gut ist. „Business-Schools sind wie die US-Airlines“, frotzelte der Wirtschaftsprofessor vor kurzem, „beide sind ausgebucht, aber beide verlieren: Fluggesellschaften Geld, Kaderschmieden Reputation.“

Was so witzig klingt, ist für die Branche der privaten Wirtschaftshochschulen, die sich dem Abschluss des MBA verschrieben haben, sehr ernst. Jain ist der neue Dekan des französischen Insead, einer der angesehensten Business-Schools der Welt. Was er da in zwei Sätzen auf einer internationalen Konferenz an der IESE sagte, beschreibt den Zustand der Branche in Ultrakurzform. Zwar ist die Finanzkrise vorbei, doch auch drei Jahre danach lecken sich die Chefs der MBA-Schulen noch die Wunden, die der Crash riss.

Die besten Jobs von allen


Schließlich wurde an ihren Hochschulen all das gelehrt, was die Welt in den Abgrund der Finanzkrise riss: Die Fallanalysen, die vorgaukeln, Unternehmen lassen sich nach Schema führen, Optimierungstechnik, die vor allem auf die Macht der Zahlen setzt, und funktionales Wissen.

Auf der Suche nach neuen Wegen

Dies zusammengefasst unterbreitet den Business-Schools eine bittere Botschaft: Die Optimierungswissenschaft Betriebswirtschaft, die Inhalte und Methoden an den MBA-Schulen über Jahrzehnte bestimmte, funktioniert nicht mehr so wie früher. Ansehen und Gewicht der internationalen Wirtschaftshochschulen schwinden. Nun suchen sie mit Hochdruck nach neuen Wegen, ihre Absolventen mit jenem Wissen auszustatten, das in den Chefbüros von morgen gefragt ist.

Die Betriebswirtschaft, die die Lehre der Business-Schools seit mehr als 100 Jahren getragen hat, bedarf einer Ergänzung. Stirnrunzelnd und mit bedeutungsschwerer Miene sagte zum Beispiel Jordi Canals, Dean der IESE, auf der von ihm einberufenen Konferenz in Barcelona im Sommer dieses Jahres: „Was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, wird nicht unbedingt auch in Zukunft funktionieren.“

Und Kollege Jain von Insead ergänzt: „Die Schulen müssen über die Grenzen des Business hinaus gehen.“ Um das zu schaffen, brauche es vor allem einen Verzicht auf das Alte. Die lange bewährte Disziplin „Business Administration“ wird damit zwar nicht abgeschafft – aber aus ihrer dominierenden Rolle gedrängt.
 

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