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Plagiate

Wer Hausarbeiten fälscht, muss mit Strafen rechnen

Armin Himmelrath
Markieren, kopieren, einfügen: Drei Klicks, und fertig ist die Hausarbeit. Der Textklau aus dem Internet wird bei Studenten immer beliebter. Einige Unis haben deshalb die Notbremse gezogen und drohen Plagiatoren mit drastischen Strafen.
Wer Texte aus dem Internet klaut, muss mit Strafen rechnenFoto: © Haramis Kalfar - Fotolia.com
Jörg Poschmann (Name geändert) hatte es sich ziemlich einfach gemacht. Der 23-jährige Mediendesign-Student an einer privaten FH in Köln wollte in sein Hausarbeitsthema - die Krisen-PR-Maßnahmen bei der studentischen Web-Community StudiVZ - nicht allzu viel Zeit investieren. Und so kopierte er kurzerhand ein paar Online-Artikel zum Thema zusammen, verfasste Zwischenüberschriften und verzichtete auf eine Literaturliste mit Quellenangaben gleich ganz. Dumm nur, dass der zuständige Dozent einen der Artikel selbst verfasst hatte - und plötzlich ganze Passagen wiedererkannte, die angeblich aus der Feder von Poschmann stammen sollten. Setzen, sechs - die Arbeit wurde als glatte Fehlleistung bewertet.Mitnichten ein Einzelfall: Bei einer Stichprobe an der Universität Bielefeld kam heraus, dass dort jede dritte Hausarbeit aus dem Internet zusammenkopiert war. "Man muss dringend etwas tun, darüber waren wir uns im Rektorat schnell einig", erinnert sich Soziologie-Professor Wolfgang Krohn. Die Verantwortlichen entschieden sich für den Kauf der Spezialsoftware "Turnitin", mit der die Arbeiten auf ungenannte Internet-Quellen überprüft werden - und für einen Kurs der Offenheit gegenüber den Studierenden. "Ich führe das System vor, diskutiere mit den Studenten über Ethik und Urheberrecht und zeige, dass Plagiatoren hier zu fast 100 Prozent erwischt werden", fasst Wolfgang Krohn die Strategie zusammen. Mit harten Strafen muss er dann gar nicht mehr drohen, "die Zahlen von Betrugsversuchen sind seither dramatisch zurückgegangen." Und die Universität verstehe diese Überprüfung mittlerweile als Teil des Qualitätsmanagements, von dem alle Seiten profitieren.

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Drei von fünf Studenten haben unerlaubt abgeschriebenAuch andere Unis suchen derzeit nach einer Taktik, um dem gewandelten Umgang mit fremden Texten etwas entgegenzusetzen. Und die Zahlen zeigen, dass es enormen Handlungsbedarf gibt: So fragte die Kommunikationswissenschaftlerin Sarah Knoop für ihre Magisterarbeit an der Uni Münster bei rund 200 Kommilitonen nach, wie die es mit der Wahrheit und dem Urheberrecht halten. Und siehe da: Drei von fünf Studenten gaben an, schon einmal unerlaubt abgeschrieben und das Ganze dann als eigene Leistung vorgelegt zu haben. Auch die befragten 55 Dozenten stützten diese Erfahrungswerte: Zwei Drittel von ihnen hatten nach eigenen Angaben schon einmal mit Plagiaten in Haus- oder Examensarbeiten zu tun. Sarah Knoop weist jedoch darauf hin, "dass überwiegend minderschwere Fälle von Plagiatbetrug genannt wurden, wobei es sich lediglich um die Übernahme einiger Sätze ohne Quellenangabe handelte". Mehr als 18 Prozent der Studenten räumten jedoch auch schwerwiegende Fälschungen ein - und nannten als Gründe vor allem den eigenen Zeitmangel und die Bequemlichkeit. Der technische Fortschritt habe letztlich dazu geführt, "dass die Hemmschwelle bei Online-Plagiaten niedriger ist", vermutet Sarah Knoop.Um das Unrechtsbewusstsein zu steigern, hat die Uni Münster deshalb vor zwei Jahren einen drastischen Strafenkatalog aufgelegt. Gedeckt vom NRW-Hochschulgesetz, droht sie fälschenden Studenten seither massive Konsequenzen an: die Noten "mangelhaft" oder "ungenügend", die Aberkennung weiterer Prüfungsleistungen, den Ausschluss von allen weiteren Prüfungen - und eine satte Geldbuße von bis zu 50 000 Euro. Studiendekan Hans-Joachim von Olberg gehörte zu den Initiatoren des drastischen Strafenkatalogs. "Es ist in den letzten Jahren in allen Fächern immer häufiger vorgekommen, dass Studierende reine Plagiate als eigene Texte abgegeben haben." Ein Student habe beispielsweise versucht, gleich dreimal hintereinander eine zusammengeklaute Hausarbeit abzugeben.Doch bisher blieb es vor allem bei der Drohgebärde: Als durchschlagenden Erfolg wollen und können die Initiatoren ihren Kurs der harten Strafen nach zweijähriger Erfahrung nicht verbuchen. "Das wurde nur in absoluten Einzelfällen richtig konsequent umgesetzt", sagt von Olberg. Die Höchstsumme der Ordnungsstrafe indes wurde kein einziges Mal verhängt. Eines der größten Probleme: Wer erwischt wird, kann sich immer noch absetzen - denn eine Vernetzung der Unis untereinander gibt es bisher nicht. Davon profitierte etwa eine Studentin aus Münster, die sich nach dem Auffliegen schnell exmatrikulierte, um dann in Wuppertal unbehelligt ihr Studium fortzusetzen.Die Diskussionen um das, was in Hausarbeiten Recht und was Unrecht ist, habe der Strafenkatalog allerdings enorm angekurbelt, sagt von Olberg: "Die Aufmerksamkeit bei allen Beteiligten ist deutlich erhöht worden." Auch an der Ruhr-Uni Bochum (RUB) gibt es erste Erfahrungen mit dem neuen Kurs gegen Plagiatoren. So wurde eine Geschichtsstudentin wegen ihrer zusammengeklauten Bachelor-Arbeit von jeder weiteren Prüfung ausgeschlossen. Und einer Soziologiestudentin an der RUB wurde sogar nachträglich das Diplom aberkannt, nachdem sie als Fälscherin aufflog. Zusätzlich verhängte die Uni noch 10.000 Euro Ordnungsstrafe.Das Abkupfern aus dem Netz gilt als OrdnungswidrigkeitDenn das Abkupfern aus dem Internet oder anderen Quellen gilt als Ordnungswidrigkeit. Und die ist - abgesehen von einer manchmal schmerzhaften Bußgeldzahlung - für Betroffene immer noch ziemlich einfach aus der Welt zu schaffen. Für ein Strafverfahren reicht das Plagiieren bei Hausarbeiten oder im Examen dagegen nicht aus - und damit auch nicht für einen möglichen Eintrag ins Führungszeugnis, der etwa bei einer geplanten Anstellung im Staatsdienst die Karriere abrupt hemmen könnte.Doch wie lassen sich studentische Plagiatoren überhaupt enttarnen, und was soll man mit ihnen dann machen? Viele Professoren orientieren sich bei solchen Fragen an den Tipps von Debora Weber-Wulff. Die Berliner Professorin ist eine der aktivsten Plagiatsjägerinnen in der deutschen Hochschullandschaft. Auf ihrer Homepage hat sie nicht nur die wichtigsten Anti-Plagiats-Programme bewertet und aufgelistet, sondern nennt auch Hochschulen und Fakultäten, die mit vorbildlich konsequenten Prüfungsordnungen Fälschern das Leben schwer machen. Mit am begehrtesten bei Dozenten ist aber die von Weber-Wulff konzipierte Lerneinheit unter dem Titel "Fremde Federn finden", mit der sich alle Interessierten fit im Aufspüren von Plagiaten machen können. Häufig, so Weber-Wulff, könne man nämlich schon ohne Spezial-Software Plagiate erkennen: "Wechselt plötzlich der Ton? Schreibt einer mal unvollständige Sätze, mal formvollendeten Konjunktiv? Gibt es Formatierungsbrüche? Komische Schreibfehler?"Das alles deute auf Übernahmen aus dem Internet hin und könne dann per Suchmaschine gezielt überprüft werden: "Einfach drei bis fünf Substantive, die nah beieinander und keine Allerweltsworte sind, eingeben und suchen lassen" - so sei das Auffinden der Plagiate genauso einfach wie die Herstellung. Für Jörg Poschmann, den angehenden Mediendesigner, hatte sein Plagiat übrigens außer dem peinlichen Moment des Auffliegens keine nennenswerten Folgen: Auf eine förmliche Bestrafung verzichtete die private Hochschule, schließlich handelte es sich bei dem Studenten ja um einen zahlenden Kunden - und der durfte nach ein paar Wochen einfach eine neue Arbeit abgeben.
 

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