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Geschäft mit dem Titel

Welche MBA den Anspruch nicht halten

Stefani Hergert
Masse ist nicht gleich Klasse. Zwar bieten deutsche Hochschulen insgesamt 280 Studiengänge an, die mit dem MBA abschließen. Aber nicht jeder Teilnehmer, der die oft mehreren Tausend Euro Gebühren für diese Angebote zahlt, hält im Anschluss einen Titel in der Hand, der dem MBA nach internationaler Lesart entspricht.

Foto: Th. Wengert/Pixelio

Überschwemmter Markt

Eigentlich soll der MBA ein Management-Programm für alle ssein, die schon einen ersten Hochschulabschluss und Berufserfahrung haben. Er soll ein breites, praxisnahes Bild über Aufgaben und Entwicklungen in der Unternehmensführung geben. So steht es in einem Dokument namens European MBA Guidelines, auf das man sich im Netzwerk EFMD, in dem etliche Business Schools zusammengeschlossen sind, geeinigt hat.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. „Der Markt in Deutschland ist überschwemmt mit diffusen Angeboten, die vom Verbraucher schwer zu durchschauen sind“, sagt Anette Tronnier, die die Gisma Business School in Hannover leitet. Die Wirtschaftshochschule ist eine der wenigen in Deutschland, die eines der international drei wichtigen Gütesiegel vorweisen können.

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Viele andere Anbieter sind nicht in der Lage, das wissenschaftliche Niveau eines internationalen MBA zu erreichen. Meistens sind diese Anbieter daran zu erkennen, dass sie keines der drei großen internationalen Akkreditierungssiegel haben.

Hausgemachte Konkurrenz

Europaweit aber entstehen Studiengänge, die zwar mit dem MBA abschließen, aber sich auf einzelne Bereiche der BWL oder einzelne Branchen spezialisieren – also eben nicht generalistisch sind. Indem sie immer mehr solcher spezialisierter Programme – etwa für die Luxusbranche, für das Gesundheitswesen, für Marketing oder Rechnungslegung – auf den Markt bringen, schaffen sich die Business Schools selbst Konkurrenz. Das drückt die Preise und senkt den Wert des Abschlusses.

„Günstiger und mit geringeren Zulassungshürden“, als der MBA sie hat, beurteilt Eric Cornuel, der das EFMD leitet, diese Studiengänge. „Die Zunahme verschiedener MBA-Formate könnte das Image der Programme verwischen und den Markenwert schwächen.“ Aber nirgendwo sind die Spezialprogramme so beliebt wie in Deutschland. „Auffällig ist der Anteil der Programme mit einer Spezialisierung. Er liegt wesentlich höher als im Ausland“, schreibt Detlev Kran, Autor des „MBA-Guides“ zum deutschen Markt.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2011
 

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